leben, laufen, und NEIN, ich kenne den Herrn Lugner nicht persönlich!!!
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Frauenlauf 2017: Wer nichts erwartet, kann nur positiv überrascht werden!

Eigentlich habe ich diesmal ganz schön viel falsch gemacht. Aber andererseits wieder, bedingt durch doch schon einige Jahre Lauferfahrung, eine ganze Menge richtig gemacht und im Endeffekt stimmt damit wohl das Verhältnis wieder.

 

Die Vorgeschichte (wie immer gibt's eine) 

Begonnen hat es eigentlich schon im Winter 2016/2017: Nachdem ich noch immer an meinem Fersensporn am rechten Fuß herum laboriere, habe ich es Anfang Dezember geschafft, mir zum Ausgleich den Vorfuß auf der linken Seite zu brechen. Somit war jeden Morgen die Frage: "Was tut heut mehr weh?", damit ich wußte, mit welcher Seite ich humpeln sollte. Trotzdem war ich - mit bequemen Sicherheitsschuhen, die vorn im verletzten Bereich eine Stahlkappe haben - brav mit meiner Freundin beim Nordic Walken. Karin ist eine Vollblutsportlerin und wenn sie etwas macht, dann gleich so richtig. Unsere Walkingrunden waren nie kürzer als 15 Kilometer und immer in sehr zügigem Tempo. Die besten Voraussetzungen also, dass der Bruch in Ruhe verheilen konnte. *Sarkasmusmodus off*

Am 21. Februar 2017 war mir dann klar, dass ich langsam vom Walkingmodus wieder in den Runningmodus kommen musste, denn das "12-Wochen-Programm für den Österreichischen Frauenlauf" landete in meiner Mailbox.

Mein Diätprogramm hatte ich bereits am Anfang desselben Monats endgültig in die Tonne getreten, denn gute Laune und schlechtes Essen lassen sich in meinem Universum leider nicht vereinbaren. Und gutes Essen existiert bei mir nur im höherkalorischen Bereich. Die Waage zeigte immer knapp unter 70 Kilogramm an und damit lag ich 10 Prozent über meinem "Kampfgewicht", mit dem ich mich beim Laufen wohl fühle. Das Tempo litt unter dem Mehraufwand, den es kostet, so viel Mensch über die Strecke zu transportieren und ich litt ebenfalls. Aber "das wird schon noch" dachte ich mir. Wohlgemerkt, Ende Februar. Wo andere Laufsportler schon in den langen Läufen für die Vorbereitung der Frühjahrsmarathons sind. Ich druckte mir den 12-Wochen Plan für eine Zielzeit von 55 Minuten aus, nachdem ich alle Pläne kurz überflogen und mit meinem aktuellen Zeitbudget verglichen hatte.

Am 08. März meldete ich mich für den Frauenlauf an. Von den Trainingsplänen bis dahin umgesetzte Trainings: Null

Aber ich hatte ja noch fast drei Monate Zeit. 

Zu Ostern habe ich mir dann ein nagelneues Carbon Rennrad geleistet. Nicht, weil ich so ein Rennradprofi bin, aber mein altes Rad hat 20 Jahre lang treue Dienste geleistet und war von Anfang an ein Fehlkauf, was die Geometrie anging. Das hat mich nie so besonders gestört, denn exrem lange Strecken fuhr ich damit ja nie, aber beim Wintertraining auf der Walze habe ich dann öfter gemerkt, dass ich kaum mehr vom Rad kam, sobald ich etwas länger gekurbelt hatte. Das neue Rad passte von der Geometrie her perfekt und ich bin sogar bei wirklich unfreundlichem Wetter gefahren, weil es einfach so viel Spaß machte. Weniger spaßig war dann allerdings das häufige Reifenwechseln, denn im Frühjahr liegt in Graz und Umgebung noch so viel Streusplitt auf der Straße, dass man sich einen platten Reifen nach dem nächsten einfährt.

Am 23. April fand der Vienna City Marathon statt und ich dachte nur: Wow, die sind alle schon voll im Training. Aber bis zum Frauenlauf ist es noch über ein Monat.

Das Gewicht stagnierte, ich war zwei- bis dreimal pro Woche für 10 Kilometer laufen und wenn ich am Berg war, dann habe ich meine altbekannte 8-km Strecke in Angriff genommen. Die Höhenmeter sind dieselben geblieben, aber irgendwie brauchte ich in diesem Frühjahr merklich länger hinauf bis zu meinem Wendepunkt. Na gut, ich bin ja keine zwanzig mehr, irgendwann kommt der Einbruch eben. Man kann sich bekanntlich alles schönreden. Das Rennrad wurde geputzt und ins Wohnzimmer gestellt und für die Zeit nach dem Frauenlauf vertröstet, denn jetzt musste ich wirklich anfangen mit dem Lauftraining!

Der Frauenlauf rückte näher und inzwischen lief ich im Training konstante Zeiten zwischen 55 und 57 Minuten für die 10 Kilometer. Den Trainingsplan habe ich gleich nach dem Ausdruicken im Februar in eine Klarsichtshülle gesteckt, damit er nicht schmutzig wird und diese bis jetzt nicht wieder gefunden.

 

Endlich am Weg 

Am Abend des 19. Mai packte ich schließlich meine Sachen für den Frauenlauf, denn am Morgen des 20. Mai sollte es los gehen nach Wien. Wie immer Campingplatz neue Donau. Mir fiel ein, dass meine Klappmatratze ja in meinem Häuschen am Berg ist. Was nun? Die wesentlich dünnere Couchauflage musste als Ersatz dienen. Macht nichts, es ist ja schon warm (es war am Freitag wirklich extrem heiß gewesen und allein beim Hinuntertragen der Matratze aus dem zweiten Stock ins Auto hatte ich einen veritablen Schweißausbruch gehabt) - ich könnte ja eine der Decken aus dem Auto zusätzlich als Unterlage verwenden, wenn es zu hart zum Liegen ist.

Mein abendliches Telefonat mit Papa verlief in etwa so: "Mah, morgen geht's los und ich hab nix drauf. Das wird ein Desaster"

Papa: "Warts ab, siehst dann eh. Wunder gibt's halt keine."

Ich: "Heuer werde ich einfach nur teilnehmen. Die Atmosphäre genießen, den Inhalt des Startsackerls bewundern und nächstes Jahr wieder ernsthaft starten."

Papa: "Ja. Mach das. Siehst eh, wie es Dir geht. Wie´s geht, so geht´s."

Ich: "Ja, aber ich muss schon froh sein, wenn ich unter einer Stunde bleibe."

Papa: "Das ist so. Wunder gibt's keine. Du weißt das eh selber am besten." (Stimmt, das mit der Selbstsabotage hab ich super drauf!)

und so weiter... Ich gab zu, unter 55 Minuten laufen zu wollen. Der Papa hat dazu nur "Alles Gute" gesagt.  

Wie geplant ging die Reise dann am Vormittag des 20. Mai los und ich kam fast ohne gröbere Zickereien meines Autos zum Campingplatz. Dort stellte ich mich gleich auf den erstbesten freien Platz und ging zur Anmeldung, wo man mir sagte, dass der Platz tatsächlich noch frei und nicht reserviert sei. Ich zahlte gleich für die Übernachtung, damit ich nicht in der Früh noch den Stress mit dem Auschecken hätte.

Dann das normale Ritual des "Sesshaftwerdens" am Campingplatz. Kästen losschrauben und auseinanderschieben, DOKA Platten drüber, Bett machen. Fehler Nummer zwei: ich hatte keine Stecknüsse für das Losschrauben der Torx Schrauben meiner Campingmöbel mitgenommen. Was nun? Mit mehr als nur sanfter Gewalt schaffte ich es schließlich mit meinem Schweizermesser, die Haken an den nicht dafür vorgesehenen Seiten zu lösen und warf dann nur noch die Schlafauflage und die Decken lose über die Platten, denn ich hatte durch das Herumbasteln endlos Zeit verloren.

Dann machte ich mich auf in die "FRAUENLAUF CITY", um meine Startnummer zu holen. An der Abholstelle ging es wie gewohnt super fix, die Frauen und Mädchen dort waren alle fröhlich und freundlich und mit dem Kuvert mit der Startnummer ging es weiter zur Abholung des Startsackerls. Ich war stolz, dass ich heuer an meinen Pentek Chip gedacht hatte, voriges Jahr hab ich den ja Zuhause liegen gelassen und musste mir einen Leihchip besorgen. Ebenso wie das Startnummernband hatte ich diese Sachen heuer schon einige Tage vorher bereit gelegt.

Der Inhalt des Startsackerls war wie immer gewaltig und nach der Abholung des T-Shirts legte ich alles dekorativ auf der Wiese auf und fotografierte es, damit Papa das Bild einigen Bekannten zeigen konnte, denen wir vor Kurzem von den tollen Gegebenheiten beim Frauenlauf vorgeschwärmt hatten. Während ich das Foto machte, fragten mich einige andere Besucher der Frauenlauf City, was ich da mache. Ich erklärte es und im Endeffekt wurde meine "Frauenlauf-Goodie-Collage" von unzähligen Leuten fotografiert, die meine Idee cool fanden.

Anschließend war Herumschauen und Herumschlendern angesagt. Es gab viel zu bestaunen, so viele Aussteller hatten interessante Neuigkeiten. Dazu im Hintergrund die Musik und die Interviews, die auf der Bühne mit Top Läuferinnen und Sportmedizinern geführt wurden und die Zeit verging  wie im Flug.  Voll bepackt mit Infomaterial und schon etwas müde kaufte ich noch ein paar Sachen fürs Abendessen am Heimweg ein und dann bezog ich endlich ordentlich mein Auto inklusive Bettenmachen und Herrichten der Sachen für den nächsten Morgen.

Nach dem Abendessen lag ich auf dem Bett im Auto und habe bei offener Tür noch ein wenig gelesen und Sudoko gelöst, denn der zwischendurch bedrohliche Himmel war doch noch letzten herrlichen Sonnenstrahlen gewichen. Dass es langsam kalt wurde, merkte ich kaum, denn ich war von meiner Lektüre so gefesselt. Plötzlich donnerte und blitzte es und schnell machte ich mein Auto zu. Da merkte ich erst, dass mir ganz schön kalt geworden war. Ich wollte den Heizstrahler anwerfen. Aber - olé, es war ja so schön warm am Freitag - ich hatte das Ding in Graz gelassen. Brrr.... inzwischen ging draußen ein richtig schönes Unwetter nieder und der böige Wind brachte mein frei stehendes Auto gehörig zum Schaukeln. Auf dem Weg zur Toilette wurde ich trotz Schirm ziemlich nass. Und keine Möglichkeit, die nassen Sachen zu trocknen, weil der Heizstrahler ja... hm. Prima.

Kurz gesagt: es wurde eine wenig erholsame Nacht. Der Regen hat zwischendurch nur kurz aufgehört, mir war bitterkalt und da ich die Decken nun alle zum Zudecken benötigte, war die Liegefläche ziemlich hart. Als der Wecker am Morgen klingelte, fühlte ich mich  völlig zerschlagen. Mir war kalt und ich hatte link einen blauen Fleck fast über die gesamte Länge der Oberschenkelaußenseite, dessen Ursprung ich mir nicht so recht erklären konnte. 

Das Frühstück bestand aus Haferflockenporridge mit Kaffee. Meine Startzeit hatte ich mit 10:05 Uhr im Internet gelesen, es war sieben Uhr morgens und somit genug Zeit für meinen Magen, mit dem Kaffee fertig zu werden. Ohne Kaffee geht gar nichts momentan bei mir. Ich sollte wieder einmal ein paar Wochen auf Entzug gehen, aber damit werde ich bestimmt nicht an einem Wettkampftag beginnen.

Um kurz vor acht hatte ich gefrühstückt, mich für den Lauf angezogen und meinen Campingplatz geräumt und stellte mein Auto in der Nähe der U-Bahn Station ab, von wo weg ich zum Stadion fuhr. Am Vorabend hatte ich extra die Vöslauer Miniflasche, in der sich irgend eine neue Geschmacksrichtung befunden hatte, leer getrunken, um eine kleine Flasche zum Mitnehmen an die Startlinie zu haben. Ich bin ja absolut kein Freund von Plastikflaschen, aber meine Emil-Glasflasche konnte ich ja schlecht auf der Laufstrecke mitschleppen. Schon gar, wo ich ohnehin mein Handy die ganze Zeit in der Hand halten würde, da ich bis dato noch keine passende Oberarmtasche für mein neues Gerät gefunden hatte.

Aber natürlich habe ich die Flasche beim Mülltrennen am Morgen mit entsorgt. Was nun? Schweren Herzens entschloss ich mich, meine Reserveflasche zu opfern. Das ist auch 1-Liter Plastikflasche, die ich beim Campen manchmal benutzt hatte, um Brauchwasser zu transportieren.

Da es noch sehr kalt war, überlegte ich hin und her, wie ich meine Bekleidung wählen sollte. Ich hatte die Dreiviertelhose mit genommen, weil der pinkfarbene Einsatz an der Seite dem heurigen Frauenlaufshirt entsprach. Die Hose passt momentan nicht perfekt, aber das tut keine. So dehnbar sind auch Sportsachen nicht. Über die Laufhose zog ich meine normale Hose, über das Laufdress eine Trainingsjacke und darüber noch eine Softshell Jacke. Als ich aus dem Auto stieg, um zur U-Bahn Station zu gehen, war mir trotzdem kalt.

Beim Aussteigen schaute ein kleines Mädchen in mein Auto hinein und war ganz verblüfft, dort ein Bett zu sehen. Es wurde von seiner Mutter darüber aufgeklärt, dass ich wohl von dem Campingplatz sei und in dem Auto schlafe. Die beiden trugen Frauenlaufshirts, also war mir klar, dass sie in dieselbe Richtung gehen würden wie ich.

In der U-Bahn Station fiel die heurige Farbe des Frauenlaufshirts  nicht so auf, denn fast alle trugen warme Kleidungsstücke darüber. Am Stadionvorplatz wie immer grandiose Stimmung. Gleich beim U-Bahn Ausgang stand schon eine Samba Gruppe und die Trommler legten sich ordentlich ins Zeug, um mit ihrem Rhythmus den Schlaf aus den Vorbeigehenden zu trommeln. Bei mir funktionierte es recht gut und beschwingt schlenderte ich in Richtung Infopoint, denn ich hatte in den Startunterlagen gelesen, dass man irgendwo Frauenlaufshirts vergangener Jahre kaufen konnte und der Erlös dem Projekt Frauenhaus zu Gute kam. Ich wollte ein Shirt von 2010 haben, denn damals wäre ich wirklich, wirklich gern mitgelaufen, schon weil lila meine Lieblingsfarbe ist. Man teilte mir mit, dass die Shirts erst nach dem Lauf an den Shirtausgabestellen erhältlich wären. Okay, also wieder zurück. Ein Blick in die Zeittafel ergab, ich war fast zwei Stunden zu früh. Mein Start würde erst um halb elf erfolgen.

Wieder einmal hatte mich meine Nervosität viel zu früh in den Prater getrieben und ich könnte jetzt noch schlafen! Aber da ich mir zu helfen weiß, zog ich einen Karton aus dem Altpapiercontainer und setzte mich in einer ruhigen Ecke auf den Boden, um noch ein wenig zu chillen. Funktionierte nicht so besonders, aber ich fühlte mich trotzdem ein wenig erholt, als ich eine gute Stunde später den Weg zur Kleiderabgabe antrat.

Was sollte ich alles ausziehen? Es hatte zwar schon in der Nacht zu regnen aufgehört, aber der Himmel war nach wie vor bedeckt und es war - mit Verlaub gesagt - saukalt. Ich entschied mich dazu, trotzdem nur in Shirt und Laufhose zu starten, aber derweil einen Regenschutz überzuziehen, um wenigstens den lebhaften Wind abzuhalten. Brrrr.... echt kalt!

Für den Weg zum Start hatte ich genug Zeit. Eigentlich mehr als genug Zeit und so schlenderte ich dahin und musste bei der Erinnerung an das Jahr grinsen, wo ich nach massiven Problemen mit meinem Auto fast in den Startblock durchhinein gelaufen war, um noch rechtzeitig zu kommen. Diesmal hatte ich Zeit und Muse, die blühenden Kastanienbäume in der Prater Hauptallee zu betrachten, wo ich drei Wochen zuvor beruflich entlang marschiert war.

Ein letzter Besuch auf dem Dixie Klo. Genug Toiletten für alle, genug Klopapier - der Frauenlauf punktet mit Kleinigkeiten, die für uns Frauen aber echt wichtig sind. Und das Witzigste: nicht das graue, glatte Nullachtfünfzehn, sondern geblümtes Klopapier!  

Beim Startblock dann wie immer die Frage: VOR oder HINTER den Buchstaben aufstellen? Die Ordner wussten es auch nicht. Irgendwann meldete die stille Post: VOR den Buchstaben aufstellen. Okay.  

 

Der Lauf

Am Start das übliche Ritual: Selfie mit den anderen Läuferinnen im Hintergrund, Aufwärmen mit Alamande Belfor, der in einem Krankorb über uns die Übungen vorzeigte und uns vorher motiviert hatte, gemeinsam "Happy Birthday, lieber Frauenlauf" zu singen, der Moderation zuhören und mehrmals nicken. Ja, den Lauf gibt es schon seit 30 Jahren. Tolle Sache. Ja, früher waren laufende Frauen unüblich und ja, die Geschichte mit Kathrine Switzer beim Boston Marathon hab ich auch schon ein paar mal gehört. Dann wurden wie immer die Bundesländer abgefragt und bei "Wer ist aus der Steiermark?" hab ich mit den anderen Steirerinnen laut "Hier" gerufen und wurde gleich von einer Dame neben mir gefragt, von wo genau ich bin. Sie war aus Murau.  

Danach wurde der Donauwalzer in überwältigender Lautstärke gespielt und ich glaube nicht nur ich hatte mit meiner Rührung zu kämpfen. Gewaltige Stimmung. 

Der Start wird herunter gezählt und endlich geht es los. Mein Handy habe ewig nach einem GPS Signal gesucht, denn ich wollte den Lauf auf Strava tracken und kurz bevor ich die Nerven vollends wegschmeiße, kommt doch noch der grüne Punkt am Display. Ich habe mich im Startblock eher mittig am rechten Rand aufgestellt, um nicht von den wirklich schnellen A-Block Läuferinnen über den Haufen gerannt zu werden und so dauert es einige Zeit, bis auch ich über die Startlinie komme. Nach ein paar Hundert Metern sehe ich einen der roten Pace runner Luftballons vor mir und denke: "Prima, das ist der 55-Minuten Ballon, dem folge ich jetzt einfach."

Zum wahrscheinlich ersten Mal seit ewigen Zeiten habe ich es geschafft, nicht wie von Hornissen gejagt loszulaufen, sondern bin locker los getrabt. Während sich das Läuferinnenfeld langsam zu entzerren beginnt, frischt der Wind noch einmal kurz auf und ich denke nur: "Nein. Kurze Hose wäre heut echt nicht gegangen."

Auf Höhe Lusthaus kommt die Sonne heraus und mir wird warm. Mein Gedanke dazu nur: "Nein. Langarm und lange Hose wäre heut echt nicht gegangen...."

Auf dem Gehsteig beim Lusthaus stehen zwei Absperrtafeln, die man aufgrund der großen Läufermenge erst extrem spät sieht und die von mehreren Frauen fast umgerannt wird. Ich überlege, ob man die Dinger nicht weg stellen hätte können, denn während dem Lauf wird ja wohl keiner versuchen, mitten zwischen 35.000 Frauen sein Auto rein zu parken!?? 

Ich laufe teilweise im Pulk, zwischendurch auch alleine, denn ab KM 3 haben sich schon gewisse Gruppen gebildet. Vor mir läuft die Gruppe mit dem roten Pace Luftballon und kurz vor der ersten Labestelle kann ich die Aufschrift lesen. 50 Minuten. Oha.

Ich überlege, das Tempo zu reduzieren, aber das fühlt sich nicht richtig an und noch geht es mir gut. "Noch" denke ich nicht, weil ich ein Pessimist bin. Aber ich bin eben ein Optimist mit Lebens-, bzw. Lauferfahrung

Auch bei Kilometer sieben ist der rote Luftballon noch in Blickweite. Die Stimmung am Streckenrand ist gut, viele Zuschauer feuern uns an und es gibt etliche Stellen mit guter Musik. Ich laufe und es läuft. Der Schweiß übrigens auch, denn es ist jetzt in kurzer Zeit ordentlich warm geworden. An der Kurve zum Wurstelprater steht ein Bus mit Polizisten der Einsatzeinheit Ulanen. Zwei Männer stehen vor dem Fahrzeug und ich überlege, ob sie wohl lieber bei einer Demo stehen würden als hier im Namen der Terrorabwehr Wache zu schieben.

Die Strecke verläuft gleich wie in den letzten Jahren und ich erinnere mich an manchen Stellen daran, wie es mir bei anderen Frauenläufen dort gerade gegangen ist. Die neun-Kilometer Tafel kommt nicht überraschend, aber mich überrascht, dass mein Einbruch noch nicht gekommen ist, mit dem ich jetzt schon jeden Augenblick rechne.

Endlich ist die Zielgerade da und ich widerstehe dem Drang, auf den ersten Bogen los zu sprinten. Das kenne ich schon. Das ist der falsche Bogen und wenn man dann schon am Limit ist, zieht sich der kurze Weg bis zum tatsächlichen Ziel unendlich.

Dann sehe ich den Bogen aus Luftballons vor mir. Der rote Pace Ballon ist gerade dabei, die Zeitnehmungslinie zu überqueren und ich ziehe noch einmal das Tempo an. Viel geht nicht mehr, aber eine Frau überhole ich noch auf den letzten Metern, die offensichtlich das Zielbogenproblem hat (siehe oben). Dann piept die Zeitnehmungsmatte und ich bin im Ziel. Ich reiße die Faust hoch: i did it! und stoppe die Aufzeichnung auf Strava auf meinem Handy. Diese zeigt eine Zeit unter 50 Minuten an. 49 Irgendwas, ich habe grad keine Muse, genau zu schauen, wichtiger ist meine Rose und die Finisher Medaille, die ich freudig von einem netten jungen Mädchen in Empfang nehme.

Kaum bin ich aus dem abgesperrten Zielbereich heraußen, rufe ich meinen Papa an. Der hat meine Zielzeit per SMS Service schon bekommen und kann es genauso wenig fassen wie ich. 49:29 Minuten. Damit haben wir nicht gerechnet. 

Nachdem ich meinen Rucksack wieder von der Kleiderabgabestelle geholt habe, suche ich mir ein etwas abgelegenes Eck, um mich schnell umzuziehen und den Schweiß vom Körper abzuwischen - ich freue mich schon auf das heiße Bad Daheim - und dann mache ich mich zur T-Shirt Ausgabestelle auf, um mir ein Shirt vom 2010er Lauf zu sichern. Leider gibt es keines mehr, aber ich unterstütze das Frauenhaus Projekt trotzdem, indem ich ein beliebiges Shirt (2012? 2013? Keine Ahnung. Blau ist es) um 10,-- Euro erwerbe und weitere 10,-- Euro als Spende dort lasse. Dann versuche ich, über Pentek Timing meine Platzierung in meiner Altersklasse herauszufinden, aber die Ergebnisse sind noch nicht online.

Auch als ich schon längst zurück bei meinem Auto bin, gibt's noch keine Ergebnisse. Erst fünf Stunden nach Ende des Laufes finde ich erste Ergebnisse und erfahre, dass ich 426. von 5587 Starterinnen über die 10-Kilometer Strecke geworden und in der Klasse W40 am 56. Platz von 652 Frauen gelandet bin. Gar nicht so schlecht.

Und somit bestätigt sich wieder einmal meine Theorie: Wer mit dem Schlimmsten rechnet, kann nur positiv überrascht werden! :-)

Falls Du bis hier her gelesen hast, möchte ich mich für Deine Ausdauer und Dein Interesse bedanken! 

25.5.17 09:52
 


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


mam (25.5.17 16:59)
habe natürlich wie immer bis zum Schluss gelesen und es war sehr spannend.

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