leben, laufen, und NEIN, ich kenne den Herrn Lugner nicht persönlich!!!
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Der Graz Marathon 2011, katzie on the road again

So begeistert war ich vom Geländelauf, dass ich mir gleich ein Paar supertolle Adidas Geländelaufschuhe (Kanadia) gekauft habe. Und dann das: runningwilli.com verlost Startplätze für den Graz Marathon. Ich schaffe es zwar noch nicht einmal würdevoll über die Stiege hinunter und nehme natürlich an der Verlosung teil. Kommentar überflüssig.

Irgendwie dachte ich mir wohl: wenn ich den Startplatz wirklich gewinne, dann soll es wohl so sein. Und es war so. Genau an dem Tag, an dem ich meinen ersten kurzen, regenerativen Lauf machte und bemerkte, dass ich noch immer ganz schön viel Aua habe, landete eine kurze Notiz mit dem Inhalt in meiner mailbox: Gratuliere, Du hast einen Elite-Startplatz für den Grazer Marathon gewonnen! Na dann, hardcore-regenerieren ist angesagt!

Mit dem Code, den ich erhalte, melde ich mich gleich über pentek-timing an und am Samstag hole ich meine coole Elite-Startnummer: 76 und mein Vor- und Nachname stehen darauf. Na super, jetzt ist mein Name so klein geschrieben, dass niemand „Hoppauf, Birgit“ rufen wird, weil man schon akut weitsichtig sein müsste, um meinen ganzen Namen im Vorbeilaufen entziffern zu können.

Auch in der ersten Reihe starte ich nicht. Was täte ich dort, außer mich von den Schnellen kaputttreten zu lassen? Trotzdem: ich freue mich total auf den Lauf. Danke, willi! (gemeint ist Willi Prokop von runningwilli.com)

Am Sonntag, dem 09. Oktober 2011 um 08:00 Uhr steht Papa vor der Tür. Ich habe bereits gefrühstückt und überlege gerade, was ich anziehen soll. Eigentlich ist mir klar, dass ich dieselben Sachen wie beim Wörthersee Trail anziehen werde. Das Fahrradtrikot von unserem Club, die 2XU Hose und die weißen Cep Stutzen. Dazu diesmal die Brooks green Silence Schuhe, schließlich laufe ich ja auf der Straße. Aber schon auf dem Weg zur Bushaltestelle entscheiden Papa und ich, dass ich noch einmal zurück in die Wohnung laufe und die ASICS Gel Tri Noosa anziehe. Never change a winning shoe!

Viel zu früh sind wir am Jakominiplatz und ich schau kurz in der Firma vorbei, um noch aufs Klo zu gehen und meine Trinkflasche für nach dem Rennen frisch aufzufüllen. Dann begeben Papa und ich uns in den Startbereich. Dauernd trifft mein Papa Leute, die ihn kennen und so bleiben wir immer wieder stehen und ein paar Worte werden gewechselt.

Am Vortag habe ich noch einen kleinen Lauf gemacht. 1,5km Einlaufen, 2km im geplanten Wettkampftempo und 1,5km Auslaufen. Es war okay, super fühlt sich definitiv anders an.

Das übliche Startgeplänkel, Papa macht eine ganze Reihe von Fotos von mir im vorderen Startblock, wo noch kaum Läufer sind. Ich stelle mich am Dixi Klo an und husche dann wieder in den Startblock, der sich langsam füllt. Ich bin ziemlich nervös, denn ich fühle mich weder fit noch müde, irgendwie fühle ich mich so merkwürdig leer. Eine gespannte Erwartungsfreude, wie bei jedem Lauf ist natürlich vorhanden. Aber ich muss dauernd gähnen, obwohl ich ausreichend geschlafen habe. Die letzten zwei Wochen habe ich extrem viel geschlafen und trotzdem gähne ich dauernd. Egal. Ich bin jetzt hier, es ist Sonntag und jetzt wird erst mal ein bisschen Marathon gelaufen und dann kann ich mir wieder Gedanken über meinen Zustand machen.

Endlich die üblichen letzten Worte vor dem Start, die Eliteläufer werden genannt, dann der Countdown heruntergezählt. Startschuss gibt es keinen. Drei, zwei, eins.. öhm???? Go! Wir laufen los.

An der Kreuzung Burgring/Elisabethstraße singt wieder Elvis. Ich bilde mir ein, der hatte voriges Jahr noch nicht so schütteres Haar am Hinterkopf. Naja, niemand wird jünger. Ich starte schließlich heuer auch schon in der W35.

Das Univiertel liegt noch in tiefem Schlaf, außer den Streckenposten und den Polizisten sind nur die Läufer unterwegs. Erste Spuren von Leben gibt’s erst in der Schubertstraße. Ein paar Frühaufsteher stehen da und lächeln uns entgegen. Kein Anfeuerungsgeschrei, man möchte ja niemanden aufwecken. Die Bands spielen aber trotzdem schon und auch heuer sind einige wirklich gute Gruppen dabei.

Ich habe mir vorgenommen, an den Labestellen diesmal immer Iso zu trinken und daran halte ich mich auch. Es gibt Powerade und ich werde in den Genuss aller verfügbaren Geschmacksrichtungen kommen. An der ersten Labestelle ist es das wenig aufregende orangefarbene Powerade, das mir mit den Worten „Iso, Iso“ angepriesen wird. Es ist stark verdünnt, sodass ich mir um meinen Magen keine Sorgen zu machen brauche. An der Kreuzung Parkstraße/Wickenburggasse sehe ich ein bekanntes Gesicht, bin mir aber nicht ganz sicher und nehme mir vor, in der nächsten Runde genau hinzuschauen. Zum Glück laufen wir in Graz ja zwei idente Runden.

Am Lendkai gibt es nicht nur Beschallung durch einen Radiosender sondern auch einen Stand mit Powerade Flaschen in blau. Ich schnappe mir auch hier ein Getränk und nuckle daran. Irgendwie widerstrebt es mir, die ½ Liter Flasche nach nur wenigen Schlucken weg zu werfen. Ich trage sie eine Weile mit mir herum, trinke immer wieder davon, aber schließlich stört mich die etwas unhandliche Flasche doch zu sehr und ich werfe sie bedauernd zur Seite. Noch immer halbvoll. Was für eine Verschwendung. Aber vermutlich wäre die Produktion von 0,3 Liter oder 0,2 Liter Flaschen, die für eine Marathon Labestelle sicher praktischer wäre, nicht sehr ökonomisch. Sicher käme dann die Verpackung ungleich teurer als der Inhalt.

Auf Höhe Edegger Steg steht Papa mit dem Fotoapparat. Ich laufe ganz links und obwohl er auf der rechten Straßenseite steht, hat er mich früh genug gesehen. Für ein Foto bin ich aber im Läufergewusel zu gut versteckt. In der ersten Runde laufen noch die ganzen Halbmarathonis mit und auch der city run findet auf derselben Strecke statt. Bald tauchen auch die Tafeln auf, die den city run von der Marathonstrecke trennen. Am Grieskai erwarte ich die grottenschlechte Band vom vorigen Jahr, aber diesmal gibt’s Musik aus der Konserve. Und nicht mal schlechte. Die nächste Transpondermatte liegt in der Unterführung zum Kreisverkehr Lagergasse. Ich schaue auf meine Uhr und denke, dass ich vermutlich gar nicht übel in der Zeit liege. Die Stoppfunktion habe ich schon wieder deaktivieren müssen, nachdem sie sich durch etliche höherwertige Pulsuhren beeinträchtigt aufgehängt hat. Ich laufe nach Uhrzeit. Es ist 10:51 Uhr. Wir sind laut meiner Uhr kurz nach 10:01 Uhr gestartet, also bin ich irgendwo um die 50 Minuten unterwegs. Sehr gut. Tempo halten.

In der Puchstraße steht wieder ein Eishockeyclub und feuert die Läufer an. Ich freue mich. Dann geht es an die Peripherie, durch das Gewerbegebiet, das landschaftlich nicht gerade eine Offenbarung ist. Auch architektonische Juwelen erwartet man hier vergeblich.

In der Puntigamer Straße spüre ich das erste Mal, dass etwas nicht stimmt. Mein rechter Oberschenkel zuckt. Es fühlt sich an, als würde ich schwache Stromstöße bekommen. Ich verkürze meine Schrittlänge und alles ist wieder gut. Das Tempo leidet darunter. Aber wenigstens leide nicht ich.

An der Labestelle in der Kasernstraße stehen gleich zwei Kollegen und die Kollegin feuert mich an: „Gib Gas, Birgit!“ Ein Mitläufer meint überrascht: „Das sagt normalerweise kein Polizist zu einem.“ Diesen Spruch werde ich heute noch ein paar Mal hören. Immer, wenn ein Kollege mich erkennt und „gib Gas, Birgit“ ruft.

Als wir durch den Augarten laufen, verfluche ich meinen Optimismus. Warum habe ich mich nicht für den Halbmarathon gemeldet, dann hätte ich es gleich hinter mir. Aber ein Marathon ist ein Marathon. Ich kenne mich und weiß, dass nur der „Ganze“ diese Befriedigung verschafft. Es geht in meine homelands. Marburger Kai, hallo Herr Kollege, Kaiser-Franz-Josef-Kai, hallo Papa, Wickenburggasse/Sackstraße, hallo Herr Kollege,  Herrengasse auch hier stehen Bekannte, Opernring. Es ist wirklich ein Heimrennen, ich erkenne immer wieder Leute am Streckenrand, Sportkollegen und Arbeitskollegen. Kurz vor dem Zielbogen geht es links an den Tafeln vorbei, die Halbmarathon Läufer dürfen schon rechts ins Ziel laufen. Noch 21,1 Kilometer. Öfz. Zweite Runde.

Opernring, hallo Herr Kollege. Er grinst mich an: „Jetzt kommst Du erst daher?“ Wieder vorbei an Elvis. Schon wieder dasselbe Lied. Meine Cousine, die gleich in der Nähe wohnt, hat mir voriges Jahr berichtet, dass Elvis zwar nicht schlecht singt, aber sein Repertoire nicht besonders groß ist. Daran muss ich jetzt denken. In der Schubertstraße gibt’s zusätzlich zur dort stehenden Band private Beschallung, die Familie vom vorigen Jahr steht wieder gegenüber der Universität und der Junior trägt heuer ein Ritterkostüm. Putzig. Aber der junge Mann denkt sich bestimmt auch seinen Teil, immerhin sind etliche Läufer verkleidet unterwegs. Biene Maja hab ich gleich nach dem Start gleich in doppelter Ausführung irgendwo herumlaufen gesehen, die hatten soweit ich mich erinnern kann Halbmarathon Startnummern.

Als ich von der Wickenburggasse in die Körösistraße einbiege, tut es schon richtig weh. Verdammt. Ich habe das Gefühl, schneller laufen zu können. Kraft ist noch da. Aber immer, wenn ich versuche, längere Schritte zu machen fährt mir ein elektrischer Schlag an der linken Oberschenkelrückseite hoch. Ich mache wieder kürzere Schritte. Leider kann ich aber die „Schlagzahl“ nicht erhöhen. Beschleunigung funktioniert bei mir nur über eine Vergrößerung der Schrittlänge. Und das scheidet jetzt aus. So muss es sich anfühlen, wenn das Getriebe beim Auto kaputt ist und man nur noch bis zum dritten Gang schalten kann. Ach, ich kenne das Gefühl ja, hatte das einmal beim meinem Motorrad. Es war quälend. Und das hier ist es auch.

Der Powerade Stand am Lendkai ist inzwischen abgebaut, dafür steht eine junge Dame an der Strecke und verteilt Red Bull ride shots. Feine Sache, ich greife begeistert zu. Fliegen wär jetzt super! Den ride shot stecke ich derweil in die hintere Tasche meines Radtrikots und plane, wann ich ihn konsumieren werde. Bei Kilometer 35, beschließe ich. Aber es wird dann doch etwas früher. Schon in der Puchstraße kämpfe ich mit der Versiegelung an der Verschlusskappe. An der Labestelle gibt es grünes Powerade. Oder habe ich schon Wahnvorstellungen? Vielleicht ist das blaues und oranges Powerade zusammengemischt? Was weiß denn ich… zwei Stück Traubenzucker habe ich noch in der Rückentasche. Schmerzmittel wären mir lieber.

Im Augarten schiebe ich mir das letzte Stück Traubenzucker in den Mund und trabe dahin. Autsch, autsch, autsch. Ich versuche, mich gedanklich abzulenken. Ein Blick auf die Uhr bestätigt mir auf Höhe Kaiser-Franz-Josef-Kai, was ich schon längst wusste: um diese Zeit war ich voriges Jahr schon im Ziel. Noch fast zwei Kilometer. Ich versuche, das Tempo noch einmal anzuziehen, aber nix. Ich versuche, schnellere Schritte zu machen, aber das schaffe ich einfach nicht. Vielleicht sollte ich diesbezüglich mein Training intensivieren (Bitte, Papa, das hast Du jetzt NICHT gelesen!) Durch die Sackstraße laufend beginnen die körpereigenen Endorphine zu wirken. Bald bin ich im Ziel. Am Hauptplatz beendet die Band gerade ihr Lied, als ich vorbeilaufe. Ich höre Anfeuerungsrufe und beginne zu strahlen. Smile katzie. Durch die Herrengasse wird mein Grinsen immer breiter und  nur die Ohren verhindern, dass ich rundherum grinse. Links um die Kurve sehe ich den Zielbogen und davor den anderen Bogen, dessen Sinn mir bis heute nicht klar ist. Ich denke an runningwilli, der in seinem Podcast erzählt hat, wie er auf den falschen Bogen zugesprintet ist. Der Opernring ist durch die Schlägerung der alten Bäume ein richtiger Prachtboulevard geworden, geht mir durch den Kopf. Ich schaue nach vorne, laufe weiter. Über die Transpondermatte reiße ich die Arme hoch. Es fühlt sich kein Stück triumphal an, die Zeit ist 03:49,38. Elf Minuten langsamer als voriges Jahr. Aber ich bin froh, es geschafft zu haben, die Zeit ist nicht einmal so schlecht wie sie angesichts der Vorgeschichte sein hätte können.

Neben mir im Zielkanal fällt ein Mann vor dem Freiwilligen auf die Knie, um sich die Medaille umhängen zu lassen. Das lasse ich lieber bleiben, womöglich komme ich danach nie wieder hoch! Ich spaziere zum Gitter, lasse mir von Papa etwas Warmes zum Überziehen reichen und stelle mich dann um einen Teller „Marathonsuppe“ an.

Als wir gemütlich am Rand der Veranstaltung stehen und ich die heiße Suppe löffle, spüre ich das angenehme Kribbeln der Mattigkeit in den Beinen und denke zufrieden: „War doch gut, gelaufen zu sein.“

25.10.11 07:34
 


bisher 3 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Laufmauselke / Website (31.10.11 10:29)
Wieder so ein schöner Laufbericht. Vielen Dank dafür. Ich lese Deine Berichte sehr gerne. Darf ich Deinen Blog mit meinem verlinken? Das würde ich sehr gerne tun.
Herzlichen Glückwunsch zu Deinem tollen Ergebnis.
Bei mir sind die Zeiten schon viel weiter nach hinten gerutscht. Aber der Spaß liegt jetzt im Vordergrund.
Ich sende Dir liebe Grüße aus Falkensee


Laufmauselke / Website (31.10.11 10:31)
Ach ja, noch eine Frage. Wo kann man denn die Bilder bewundern?


Andreas / Website (24.4.12 09:40)
Sehr schöner Laufbericht

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