leben, laufen, und NEIN, ich kenne den Herrn Lugner nicht persönlich!!!
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Vogau 6stunden Lauf 2011 oder

 "Die Katze auf dem heißen Asphalt" 

Ja, ich weiß. Der Titel des Filmes mit Elizabeth Taylor lautet "Die Katze auf dem heißen Blechdach" - im Original übrigens "Cat on a Hot Tin Roof" aber diesen Film meine ich nicht. (Wobei der Ursprung dieses Films ja ein Buch von Tennessee Williams ist, aber das nur am Rande)

Der Hintergrund für diesen reißerischen Titel ist ein anderer: Der 12stundenlauf in Vogau war heuer geprägt von ausnehmend schönem Wetter. Obwohl Gewitter angesagt waren hat sich Petrus nicht daran gehalten sondern ließ die Sonne vom Startsignal bis zur Endsirene fröhlich vom Himmel lachen. Was die Läufer nicht ganz so fröhlich stimmte und das Lachen schon etwas mühsam machte.

Ich habe mich diesmal entschlossen, es kurz zu machen. Nicht meinen Bericht, Ihr kennt mich ja schon, sondern den Lauf - und bin nur über die 6stunden Distanz als Einzelstarter gelaufen. Der Start für die "sechser" war um 14:00 Uhr und es herrschte strahlendes Wetter. Mein Papa kam um 11:00 Uhr zu mir nach Graz und gemeinsam fuhren wir mit meinem Bus nach Vogau. Die Startnummer hatte ich schon am Vorabend nach der Arbeit geholt und auch gleich meinen Getränke- und Essensbon bei der Nudelparty eingelöst. Netterweise gab es auch heuer eine Gemüsesauce für uns Vegetarier und ich habe mich mit meinem Teller gleich zum "eigner express" an den Tisch gesetzt und ein wenig mit Alex (Heiml) geplaudert und sie über ihre Pläne für diese Saison ausgefragt. Sie ist heuer gut drauf und nimmt am Cup teil, läuft in Vogau den 12er. Ihr Lebensgefährte Gerhard Eigner spricht mich auf das Vogau Halsband an, das ich bereits trage und erinnert sich an die Story vom vorigen Jahr, wo mein Papa mir während des Wettkampfes ein Vogau Armband besorgt und geschenkt hat. Die Geschichte ist ihm in Erinnerung geblieben, sie hat ihn damals sehr berührt, sagt er.

In Vogau angekommen haben wir diesmal zwar keinen reservierten Platz, aber wir schaffen es trotzdem, ohne auf die Laufstrecke hinaus zu müssen, mit dem Auto fast an die selbe Stelle zu kommen wie 2009. Dann stellen wir den Sonnenschirm, den Klapptisch und einen Sessel auf und fertig ist unsere Labestelle. Ich sehe die Läufer vorbeikommen und an den Startnummern ist klar zu erkennen, wer Staffel- und wer Einzelstarter ist. So eine blaue 12-Stunden Nummer hatte ich voriges Jahr auch, denke ich ein klein wenig neidisch, während ich die Läufer mit Applaus aufzumuntern versuche. Manche haben schon deutlich gerötete Haut von der vielen Sonne und andere wirken schon sehr geschafft. Die Hitze setzt allen zu. Plötzlich kommt Thomas Primus mit einem Laufkollegen vorbei und ich freue mich so sehr, ihn zu sehen, dass ich ihm spontan um den Hals falle. Dieser Gefühlsausbruch ist uns dann allen ein klein wenig peinlich, aber zu spät. Thomas und sein Begleiter starten ebenfalls über die 6stunden Distanz, wir werden uns also noch oft genug sehen heute.

Nach einem Blick an der Start-Zielzone in die aktuellen Listen der Laufzeiten holen Papa und ich uns an der offiziellen Labestelle ein paar Sachen (ich nehme mir von den kleinen Kuchenstücken ein paar Kostproben mit, denn die Kürbiskernschnitten vom Vorjahr sind mir in schmackhafter Erinnerung geblieben und noch gibt es welche) und gehen zurück zum Auto. Dort die übliche Prozedur mit umziehen, Sonnencreme in großen Mengen, Besprechen der Getränke und Essenseinteilung und schwuppdiwupp sind es nur noch fünfzehn Minuten bis zum Start. Ich ziehe noch meine Schuhbänder fest und mache mich auf den Weg.

Wie immer gibts eine kleine Wartezeit am Klo. Heuer kein lehrreiches Klopapier mit Fragen über die Alpenwelt, dafür eine Unmenge an Stickern an der Innenseite der Tür, was alles nicht ins Klo gehört, nämlich Spritzen, Altöl, Damenbinden, Hamster (???) und den Rest hab ich schon wieder vergessen. Wer bitte schmeißt Hamster ins Klo? Aber es muss einen Anlassfall gegeben haben, sonst würde sich niemand bemüßigt fühlen, darauf hinzuweisen.

Am Start nehme ich Blickkontakt mit "meinem Rundenzähler" auf und winke ihm zu. Er gibt mir zu verstehen, dass er mich wahrgenommen hat. Noch eine Minute bis zum Start. Ich kontrolliere noch einmal meine Schuhbänder und den Sitz von Startnummer und Pentek-timing Chip und dann zählen wir gemeinsam von zehn herunter. Punkt vierzehn Uhr und ab die Post! Das Feld setzt sich in Bewegung.

Die erste Runde laufe ich viel zu schnell. Die zweite Runde laufe ich zu schnell. In der dritten Runde ruft mir mein Papa zu, ich soll gefälligst Tempo rausnehmen und eine Läuferin, die den doch recht forschen Zuruf mitbekommen hat, fragt mich: "ist das Dein Trainer?", worauf ich antworte: "Ja, und mein größter Fan". Sie schaut mich ungläubig an und sagt darauf: "Das hat aber nicht so geklungen. Ist der immer so streng mit Dir?" Ich erkläre ihr, dass die nächsten fünfdreiviertel Stunden damit vergehen werden, dass er mich abwechselnd auf mein zu hohes oder mein zu niedriges Tempo, meinen schlampigen Laufstil und meine schlechte Haltung hinweisen wird. Er wird wenig gute Haare an mir lassen, um mir nach dem Rennen stolz auf die Schulter zu klopfen und mich zu loben, wenn der Lauf gut überstanden ist. Oder mich einfühlsam zu trösten, wenn etwas schief gegangen ist. Aber während dem Laufen ist es die spezielle Art meines Vaters, mich zu motivieren, indem er mich ziemlich hart anredet. Er glaubt, ich brauche das. Ich glaube, ich brauche das wirklich, denn wenn er es anders machen würde, wäre ich ziemlich irritiert.

Diesmal heißt mein Motto: trinken, trinken, trinken und ich bekomme jede zweite Runde eine 0,3 Liter Flasche mit einem Sportgetränk von Papa in die Hand gedrückt, das ich innerhalb der Runde leer trinke. Der Durst geht kaum weg und auch diesmal greife ich wieder auf Bier zurück. Einmal fülle ich an der offiziellen Labestelle meine Flasche mit Leichtbier auf und ein anderes Mal mit Starkbier. Aber das ist wirklich stark, weshalb ich wieder auf Leichtbier umsteige. Klingt jetzt mächtig, aber alles zusammen habe ich wohl maximal 0,3 Liter Bier in den sechs Stunden konsumiert. Trotzdem, die Wirkung als Durstlöscher ist unbestritten und bei all den süßen Sportgetränken ist ein "Hopfenkracherl" eine wahre Wohltat. Zweimal reicht mir Papa ein Stück Engergyriegel, aber auch er findet die Temperaturen zu hoch für weitere feste Nahrung. Ich nehme mir noch zweimal ein Stück Apfel an der offiziellen Labestelle, aber mehr geht wirklich nicht.

Die Walser sind auch heuer wieder dabei, einer läuft als Einzelläufer und eine Staffel mit Jugendlichen gibt es auch, die in der Jugendwertung gewinnen.

Christine Konrad ist wieder dabei. Thierry ist wieder da, Rainer Predl ist natürlich über die 12 Stunden unterwegs und Dominik fehlt heuer. Ich sehe bekannte Gesichter auf der Laufstrecke, bekannte Gesichter an den Betreuerstationen. Beim Bierstand vor der Antenne Bühne winkt mir auch heuer wieder der nette Typ von voriges Jahr. Die Antenne Bühne ist eine Insel des Hardrock, denn die anderen Musikstationen spielen eher Schlager und Volksmusik. Wobei ich die "drei weißen Tauben" noch nie vorher gehört habe und mich furchtbar abhaue, als ich den Text höre. Die Attems Allee versorgt mich für die nächsten paar hundert Meter mit aktueller Hitparade und aufmunterndem Jubel. Obwohl ich zu einer Gruppe von Kollegen immer wieder freundlich hinüberwinke, bekomme ich nur von einer Kollegin eine Reaktion. Der Rest schaut mich ausdruckslos an. Okay, Staffelläufer sind wirklich anders.

Nach einigen Runden sitzt Thomas Primus schon an seiner Betreuungsstelle und das bleibt noch sehr lange so. Als ich ihn endlich wieder auf der Strecke sehe, frage ich ihn gleich, was denn los ist. Sein Kreuzband macht Ärger.

Zwei junge Frauen von der Theatergruppe Vogau fallen mir auf, die beharrlich ihren Weg gehen, auf ihren Rücken steht auch heuer wieder "Premiere" und ein Datum mit "2011". Ich muss einfach fragen, denn auch voriges Jahr waren ihre Dressen mit "Premiere" und einem Datum bedruckt, allerdings "2010". Sie lachen und ein paar Runden später erfahre ich, dass sie jedes Jahr ein anderes Stück zur Erstaufführung bringen. Und ich erfahre auch, dass sie eigentlich laufen wollten, aber wegen massiver Magenprobleme schon die längste Zeit wandern. Ich empfehle Haferflocken. Mein Magen-Allheilmittel beim Laufen.

Die Sonne brennt vom Himmel, als gäbe es dafür einen Preis. Ich bin sehr dankbar für die vielen freundlichen Kinderhändchen, die mir Schwämme mit kaltem Wasser entgegenstrecken und nehme das Angebot gerne an. Es gibt auch Kinder, die mit Sprühflaschen voller Wasser an der Strecke stehen. Wenn man ihnen zunickt, hüllen sie einen in einen wunderbar kühlenden Nebel aus Feuchtigkeit. Was für eine Wohltat! Ein weiteres highlight bei diesen Temperaturen ist die Dusche, die am Streckenrand steht und den ganzen Tag läuft. Man kann hindurchlaufen, oder einfach nur die Hände in den Wasserstrahl halten. Ich laufe jede Runde unter dem künstlichen Regen durch, den Kopf gesenkt, damit meine Sonnenbrille nicht nass wird. Doch trotz all dieser wunderbaren Maßnahmen bleibt es furchtbar heiß und obwohl mehrmals drohende Gewitterwolken kurz die Sonne verdecken, der Regen bleibt aus.

Heuer laufen viele Kinderstaffeln mit und auch wenn man auf die Kleinen höllisch aufpassen muß, um Kollissionen zu vermeiden, ich freue mich über den Anblick des "Nachwuchses" und den Eifer, mit dem sie bei der Sache sind. Leider werde ich Augenzeuge, wie eine Läuferin über einen der kleinen Teilnehmer stolpert, wobei ich nicht weiß, ob einer von beiden verletzt wurde. Das ganze passierte vor so vielen Zeugen, dass ich es nicht für angebracht hielt, auch noch stehen zu bleiben und meinen Senf dazu zu geben.

Meine Füße tun weh. Ich habe ein Paar Socken vom Diskonter an, weil ich die Socken beim Einpacken verwechselt habe. Zu den Brooks Green Silence trage ich normalerweise die niedrigen X-Socks, aber im "Sockenladenzustand" schauen die genau gleich aus wie die "Yonic" vom Zielpunkt, die ich mir eigentlich für kurze Trainingsläufe gekauft habe. Aber noch weiß ich nicht, wie schlimm diese Verwechslung wirklich ist. Ich habe mich beim Umziehen kurz geärgert. Auch, weil die Socken einfach nicht so gut geschnitten sind und auf Höhe des kleinen Zehs ganz eigenartig krumpeln.

Dietmar Mücke ist heuer nicht hier, aber ein anderer Läufer ist mir roter Perücke, Pumuckl-Outfit und barfuß unterwegs. Übrigens sind mehrere Läufer ohne Schuhe unterwegs, aber ganz ehrlich, mir wäre der Asphalt wirklich zu heiß. Ich habe sogar eine Läuferin darüber stöhnen hören, dass die Hitze durch ihre Schuhe hindurchdringt, was mich dazu gebracht hat, mir ihre Sneakers anzusehen. Na klar, durch die Dinger geht die Hitze schön durch, aber manche Staffeln bestehen aus Schülern und die laufen einfach mir irgendwelchem Schuhwerk habe ich festgestellt.

Sechs Stunden sind eine überschaubare Zeit und so muß ich diesmal keine regenerative Gehpause einlegen sondern schaffe es, die ganze Zeit hindurch zu traben. Meine Zeiten werden kontinuierlich schlechter, aber einen richtigen Einbruch feiere ich nicht. Ein kleines Motivationstief nach drei Stunden bekämpfe ich mit Schokolade und die Führende Karin Ruß überholt mich so oft und mit so hohem Tempo, dass ich sie nur bewundern kann und für Neid gar keine Gelegenheit bleibt. Karin läuft ein wirklich unpackbares Tempo, wie eine Maschine - oder so meine Assoziation dazu - wie das berühmte Duracell Häschen - so rennt sie an mir vorbei. Am Ende wird sie in der Gesamtwertung am zweiten Platz liegen. Ich sag nur: RESPECT!!!

Die vorletzte Runde bricht an und ich rufe meinem Papa zu, dass ich vorhabe, noch bis zu ihm zu kommen bevor die Schlusssirene heult. Ich gebe Gas, soweit das möglich ist. Die Start-Ziel Gerade gleicht einem Partykessel, alle Staffeln sind gemeinsam unterwegs und machen die Strecke schon seit voriger Runde zu einem einzigen Hindernislauf. Ich bin schon auf der langen Geraden und Papa kommt mir entgegen, den Klappsessel unterm Arm. Ich rufe ihm zu: "Ich hab ja gesagt, ich komm zu Dir!" und renne weiter. Es geht um wertvolle Restmeter. Kurz vor der Kurve ertönt die Sirene. Der Sprecher sagt: "Alle bleiben dort stehen, wo sie sind, jetzt ist schluss mit lustig!" und ich denke mir: naja, soooo lustig waren die letzten Runden für manche nicht mehr. Dann warte ich, dass mein Papa kommt und mir den Sessel hinstellt, um darauf niederzufallen. Papa macht Fotos von mir, wie ich strahle und lache. Dann bin ich plötzlich leer. Als hätte ich alle Emotionen des Tages aufgebraucht, sitze ich versunken auf meinem Klappsessel und starre ins Nirgendwo, während wir auf die Vermessungsleute warten. Ich schaue meinen Papa an, zwinge mich zu einem Lächeln, das fast mehr weh tut als meine Beine. Diesmal spüre ich die Strecke in den Hüftgelenken, weil ich wirklich nur Kurzstrecken gewöhnt bin.

Nachdem die Restmeter vermessen worden sind, fahren wir mit dem Auto zum Duschen in die nahegelegene Kaserne. Dort ziehe ich meine Schuhe aus und sehe das ganze Ausmaß der Katastrophe. Drei Zehennägel sind stark unterblutet, ich habe über zehn verschieden große Blasen, die ärgste am linken großen Zeh. Ich bitte ein Mädchen um eine ihrer Sicherheitsnadeln, mit denen sie ihre Startnummer befestigt hat und steche die größten zwei Blasen auf. Dann dusche ich heiß und humple barfuß zum Auto zurück. Im Auto dann gleich der Griff zu den sterilen Einwegnadeln und mit Schwung unter die Zehennägel, das Blut herauslassen. Es spritzt in alle Richtungen. Dann die Blasen aufstechen. Auch kein schöner Anblick. Das Octenisept steht Daheim im Badezimmer, verdammt! Ich verklebe die Blasen so gut es geht und stecke meine Füße in Clogs. Schuhe kann ich jetzt keine anziehen. Und so geht es zur Siegerehrung. Davor teilen Papa und ich uns noch ein Preiselbier. Auf das hab ich jetzt enormen Gusto, aber allein mag ich keine ganze Flasche trinken - auch wenns nur eine 0,3er ist, die sogenannte "Dreh und trink" Version.

Ich bin zweite in meiner Altersklasse und zweite in der Tages Gesamtwertung. Ich bekomme eine Medaille, den Vogau-Pokal und einen wunderschönen Blumenstrauß, sowie ein kleines Sackerl mit hausgemachten Keksen, die jedes Jahr von fleißigen Vogauern für uns gebacken werden. Am Ende der Siegerehrung hält Didi Michalitsch eine bewegende Rede über den Hintergrund der Veranstaltung, die Kinderkrebshilfe und über Krebs im Allgemeinen. Dann folgt die Verlosung der Sachpreise, aber da sind Papa und ich schon auf dem Heimweg.

Mit den Restmetern komme ich auf 60,5 Kilometer, was aber bis heute nicht auf Pentek Timing aufscheint. Egal. Bei dieser Hitze und meinem momentanen Training, das mehr auf Kurzdistanz zielt, eine zufriedenstellende Zahl.

25.5.11 04:24
 


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


friedrich jeklin (26.5.11 20:17)
TOLLE LEISTUNG!

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