leben, laufen, und NEIN, ich kenne den Herrn Lugner nicht persönlich!!!
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6 Stunden für ein Kinderlachen - Salzburg 2012

Der Plan war gut: ich würde meinem Papa zu Weihnachten einen Startplatz für den 6-Stunden Lauf in Salzburg in der Klasse „Nordic walker“ schenken. Wir könnten gemeinsam nach Salzburg fahren, wo ich den Bewerb als Einzelstarter laufend und er walkend bewältigen würde. Jeder hätte seinen Spaß und wir könnten danach gemeinsam nach Hause fahren.

Die Fehler traten dann jedoch in der Ausführung des Planes auf: Das Anmelden klappte noch prima, die Überraschung kann man durchaus als gelungen bezeichnen. Mein Papa glaubte mir erst, als er seinen Namen in der Starterliste stehen sah, dass ich ihn wirklich ohne sein Wissen angemeldet hatte und fügte sich in sein Schicksal. Aber dann: eineinhalb Wochen vor dem Termin hatte ich mir endlich einen saftigen grippalen Infekt eingefangen, weshalb ich mehrmals das Training entweder ausfallen lassen musste oder den sterbenden Schwan dabei gespielt habe. Am Donnerstag noch Fieber, am Freitag dann die Diskussion über die Sinnhaftigkeit eines Starts in diesem Zustand und die inoffizielle Aussprache eines Laufverbotes durch meinen besorgten Coach. Dann aber: ein Schlupfloch! Ich würde mit Papa gemeinsam als Nordic walker starten, so eine Belastung kann es für den Kreislauf ja wohl nicht sein, sechs Stunden mit Stöcken bewaffnet im Kreis zu spazieren. Dachte ich. In völliger Unkenntnis der Nordic walking Materie. Also Start frei für Plan zwei!

Nordic walken ist mir theoretisch bekannt. Ich war im Sommer 2011 mit einer Arbeitskollegin ein paarmal mit Aluprügeln bewaffnet spazieren, aber obwohl wir ein flottes Tempo hatten, Stil hatte das sicher keinen... die Stöcke waren halt dabei, mehr Hindernis als Sportgerät. Aber wie nicht anders üblich gilt wieder einmal: das probier ich einfach!

Papa und ich wollten ursprünglich am Samstag im Morgengrauen nach Salzburg fahren, unsere Startnummern abholen und zum jeweiligen Bewerb antreten. So war der erste Plan. Siehe oben: Plan eins funktioniert bei uns nie. Also Plan zwei: wir fahren schon am Freitag. Leider wirft das meine komplette Zeiteinteilung über den Haufen und so kommen wir nach einer kleinen Orientierungsschwäche meinerseits erst bei Einbruch der Finsternis am üblichen Campingplatz in Salzburg an. Der Platzinhaber erkennt mich wieder, ich bezahle wie auch die Jahre davor gleich bei der Anmeldung, um am Morgen direkt zum Start des 6-Stunden Laufes fahren zu können.

Bis jetzt war noch alles einigermaßen im normalen Pulsbereich. Papa und ich bauen den Bus für die Nacht um, ich stecke die Heizung an, es beginnt nach Staub und Kunststoff zu stinken. Nach wenigen Minuten fällt die Heizung im Bus aus. Es hat 2 Grad Plus im Freien, also wenig sommerliche Temperaturen. Heizung muss sein! Papa und ich fummeln abwechselnd an dem Heizungsgerät herum und riskieren beide einen Stromschlag. Aber das Gerät ist tot. Dann plötzlich erhitzt sich das Gehäuse. Die Heizspirale bleibt lauwarm, aber das restliche Gerät glüht beinahe. Panisches Stromabschalten ist die Folge und die Erkenntnis: wir werden diese Nacht ohne Heizung überstehen müssen! Ich krame zwei Transportdecken aus dem untersten Bereich des Fahrzeuges heraus, in die wir uns zusätzlich zu unserem Campingbettzeug einwickeln. "Gute Nacht, Jim Bob"... nun können wir zeigen, ob wir abgehärtet sind. Im Basislager am Everest ist es sicher auch nicht kälter...

Wider Erwarten erwachen wir am nächsten Morgen ohne schwarz abgefrorene Finger, Zehen oder Nasenspitzen. Und wir sind nicht einmal todsterbenskrank verkühlt. Ein wenig rauh ist die Stimme noch, aber das ist morgens normal. Ich stelle Kaffe auf, schalte das Gerät ein. Die Kontroll-leuchte bleibt dunkel. Ich schüttle das Gerät (wer hat eigentlich beschlossen, dass man elektrische Geräte mittels Schütteln oder "drauf-klopfen" reparieren kann?) Der Wasserkocher bleibt kalt. Ich flüchte mit dem verdammten Ding in den Küchenbereich des Campingplatzes. Leider ist außer uns beiden noch kein Mensch munter (es ist gerade erst sechs Uhr, was habe ich gedacht?) und ich suche eine Möglichkeit, heißes Wasser für das Frühstück aufzutreiben. Endlich finde ich ein Waschbecken mit Duchlauferhitzer. Das Kaffeepulver bildet mit dem vielleicht 45 Grad heißen Wasser fiese Klumpen und ich kann es Papa nicht verübeln, dass er bei dem Anblick nicht gerade in Barrista-Phantasien ausbricht. Aber Zähne zusammenbeißen, den Kaffee im Notfall ein wenig kauen, ein Marmeladebrot dazu und um kurz nach halb sieben wollen wir den Campingplatz verlassen.

Genau. Wollen. Denn der Schranken ist zu. Obwohl gestern vereinbart, dass wir ab sechs hier raus können, sind wir eingesperrt. Ich gehe auf die Suche nach dem Platzwart. Klingele irgend ein Familienmitglied aus dem Bett und bitte ihn, uns aus dem Platz raus zu lassen. Ein Herr in Feinripp und Jogginghose öffnet schnell den Ausfahrtsschranken. Endlich können wir uns zur Startnummernabholung begeben.

Wir finden - fast - ohne Hilfe den Veranstaltungsort und einen wunderbaren Parkplatz ganz in der Nähe des Start-Ziel Bereiches. Nach der Abholung unserer Startnummern bauen wir unseren Versorgungsstand auf und beginnen die übliche Diskussion über die Getränke-, Essens- und Kleidungswahl. Bis es Zeit für den Start ist, haben wir uns zum Glück entschieden, einen guten Platz für unseren Klapptisch und den Klappsessel sowie unser Novum: eine Klappbox mit wasserfestem Deckel gefunden, etliche Bekannte aus der Ultra Lauf Szene getroffen und die üblichen Handgriffe getätigt. Ich vermisse das Bauchkribbeln, die Nervosität, die Angst vor dem Schmerz. Ich weiß, dass ich diesmal nicht laufen werde. Und mangels Erfahrung im Nordic Walken weiß ich nicht, was diesbezüglich auf mich zukommen wird.

Im Startbereich sehe ich noch eine ganze Reihe anderer Nordic Walker. Aber irgendwie sehen die fast alle sehr professionell aus. Michael EPP ist hier, Nordic-walking Profi und will soweit ich mitbekommen habe, einen neuen Rekord in Angriff nehmen. Die Bleiburger Walker scheinen auch eine Klasse für sich zu sein und ich schiele etwas nervös auf meine Hofer-Alu-Prügel, die zwischen all den LEKI Stöcken etwas armselig wirken. Egal. Auch mein Tchibo-Komplett-Outfit ist wohl der Ernsthaftigkeit des Anlasses nicht ganz angepasst. Aber eigentlich wollten wir ja nur zum Guten Zweck ein wenig walken?? Ich habe irgendwie verdrängt, dass "nur ein wenig" im Vokabular von Sportlern nichts verloren hat. "Entweder - oder " heißt die Devise und so geht es nach dem Startschuss gleich zackig los.

Die nordic walkenden Profis erkennt man daran, dass sie ihre Stöcke von den Gummipuffern befreit haben und mit lautem "klack-klack" früh genug zu hören sind, damit wir rechtzeitig ausweichen können. Papa und ich versuchen, jedes Mal wenn wir von einem wesentlich schnelleren Nordic Walker überholt werden, dessen Stil zu kopieren. „WAS MACHEN DIE ANDERS, um so schnell zu sein???“ fragen wir uns. Das Fazit nach etwa vier Stunden für mich persönlich nach Vergleich all der vielen verschienen Stile ist: Die machen nix anders, aber irgendwie machen sie das viel, viel schneller als wir...

Bei der vorgeschriebenen Besprechung vor dem Start wurden die "gemütlicheren" (und zu denen zähle ich uns heute) bzw "langsameren" Athleten vom Veranstalter gebeten, uns rechts auf der Strecke zu halten, was bei einem linksgeführten Rundkurs sozusagen die Außenbahn ist. Dies deshalb, weil es auch heuer wieder etliche Rekordversuche von Läufern bzw. von eben dem erwähnten Herrn EPP geben wird. Es ist aufregend, live mit zu erleben, wie diese Starter an uns vorbeifegen, scheinbar ohne müde zu werden, Runde um Runde abspulen. Da mein Papa und ich die Strecke gemeinsam bewältigen wollen, gehen wir eng nebeneinander ganz am rechten Rand, um niemanden zu behindern. Das hat den Effekt, dass ich aufgrund meiner mangelhaften Nordic Walking Erfahrungen regelmäßig über meine Stöcke stolpere. Aber ich nütze auch gelegentlich die Stöcke vom Papa oder einem anderen gemütlichen Nordic Walker, um drüberzufallen. Am Ende des Tages werden meine Schienbeine blitzblau geschlagen sein. Am Abend zähle ich 18 (!!!) Schlagmale zusammen. Aber das weiß ich jetzt noch nicht.

Was ich jetzt schon lerne, ist die Tatsache, dass man als Läufer beide Hände frei hat, um sich ein Getränk zu nehmen, eine Banane zu schälen oder den Schweiß abzuwischen. Als Nordic Walker kann man entweder auf diesen Luxus verzichten, eine kleine Pause einlegen oder einen Stock locker vom Handgelenk schlenkern lassen, während man den Becher Wasser zum Mund führt. Dies hat dann - zumindest in meinem Fall - das Ergebnis, dass man diesen schlenkernden Stock zwischen die Knie bekommt und - erraten - sich fast auf die Nase legt. Aber das Leben ist ein Lernprozess und bald habe ich den Dreh einigermaßen heraußen.

Da ich ziemlich von dem ungewohnten Sportgerät in Anspruch genommen bin, habe ich diesmal nicht so viel Zeit, die Umgebung und die anderen Starter zu beobachten. Aber natürlich ergibt sich wieder ein kurzer Tratsch mit Dietmar "Pumuckl" Mücke und ich kann auch einige bekannte Läufer ab und zu anfeuern. Nachdem ich mich dauernd nach hinten umsehe, um rechtzeitig auszuweichen wenn ein größerer Pulk Läufer kommt, habe ich auch meine "Favoriten" immer früh genug gesehen. Aber irgendwie weiß ich oft nicht, was ich ihnen zurufen soll. Es ist so ungewohnt. Nicht am Streckenrand zu stehen, aber auch nicht mit zu laufen. Didi MACHER ist wieder da und oft ruft er uns etwas zu, wenn er uns überrundet. Es ist gut drauf und läuft fast 73 Kilometer in den sechs Stunden.

Obwohl viele der „üblichen Verdächtigen“ heute fehlen (der Eigner-Express hat keinen einzigen Starter hier und auch vom ASKÖ Laufwunder ist nur ein einziger Starter gekommen) sind etliche Bekannte unterwegs und da ich heute sehr oft von ihnen überrundet werde, ergibt sich manches kurze und kurzweilige Geplänkel („Hey Birgit, was MACHST Du da???“ „Ich walke“… „DU als Läuferin GEHST???“ „Siehst Du ja. Und wie läufts bei Dir?“ „Danke, es geht…". Und ich komme sogar ins Schwitzen. Nach einigen Runden muss ich mein langärmeliges Shirt bereits ausziehen und gehe in meinem weißen Untershirt weiter. Das war zwar so nicht geplant, aber wer konnte denn auch ahnen, dass „bewaffnetes spazieren gehen“ so anstrengend ist? Ich bin wirklich ein Unwissender auf dem Gebiet des Nordic walking.

Das Wetter ist von Anfang an trüb und zwischendurch ziehen bedrohliche Wolken am Himmel auf. Aber bis zum Schluss bleibt es trocken.

Nicht so trüb ist das Outfit mancher Läufer. Besonders ins Auge springt mir der „rosarote Panther“, der mit pinkfarbenem Kopftuch, Shirt und sogar Laufhose Mut zur Farbe zeigt.

Auffallend auch eine Dame, die als Einzelstarterin unterwegs ist. In sehr frühlingshaften Leuchtfarben lässt sie sich absolut nicht übersehen. Von Haus aus für eine Frau groß gewachsen und von kräftiger Statur zeigt sie nicht nur mit einer Sonnenblume am Kopftuch sondern auch einem strahlenden Lächeln, dass sie Freude an der Bewegung hat. Tapfer dreht sie Runde um Runde, anfangs läuft sie, später sehe ich sie mal gehen, mal laufen. Über 39 Kilometer legt sie zurück.

Es gibt heuer auch eine größere Anzahl von Laufröcken, manche mit kurzer und andere mit knielanger Hose darunter. Sogar ein schwarzes Laufkleid (das aber vermutlich als Tenniskleid geboren wurde) sehe ich und bei den Kurzentschlossenen, die ein paar Runden „für den guten Zweck“ drehen, gibt es hin und wieder auch Jeans und Straßenschuhe zu bewundern.

Ein wahrer Augenschmaus sind wie immer die schnellen Einzelstarter. Dominik Pacher, schlank und rank federt er an uns vorbei. Sein Tempo ist fast schon unheimlich, genauso wie das von Andreas Pfandlbauer. Bei beiden denkt man erst, sie wären Staffelläufer, so schnell und kräftezehrend scheint ihr Tempo zu sein. Dominik schafft 82,443 Kilometer, Andreas legt mit 76,171 Kilometern eine für mich genauso unvorstellbare Strecke zurück.

Für Papa gestaltet sich der Walk anfangs recht schmerzhaft, weil seine Beinhaut erst einmal "warm werden" muss. Zwischendurch kann er schmerzfrei seine Runden drehen, aber zum Ende hin quietschen bei uns beiden die Gelenke. Ich muss feststellen, dass ausgemusterte Laufschuhe nicht als Walkingschuhe taugen. Und für Laufsocken gilt dasselbe. Auch die Haltung der Stöcke korrigiere ich in diesen sechs Stunden mehrmals. Nachdem die ersten Blasen an den Handinnenseiten aufgeplatzt sind und die Feuchtigkeit sich mit der Farbe der Kunststoffteile am Griff vermischt hat, wird mir klar, dass ich irgend etwas falsch mache. Ich versuche, die Stöcke mehr loszulassen, bekomme sie dann aber nicht mehr schnell genug unter Kontrolle, um den nächsten Schritt mit dem richtigen Arm zu begleiten. Zwischendurch halte ich die Stöcke wie Essstäbchen, dann wieder teste ich eine gezierte Haltung, die sich genauso wenig bewährt. Ich resigniere. Es gibt keine schmerzlose Art, sechs Stunden lang Stöcke mit sich herum zu tragen, wenn man sich über den Stil noch nie zuvor Gedanken gemacht hat. Von Zeit zu Zeit spüre ich ein leichtes "Plopp", danach rinnt wieder etwas Flüssigkeit an der Innenseite meiner Handflächen entlang und ich weiß, dass wieder eine Blase aufgeplatzt ist.

Zwischendurch eile ich ein Stück voraus, decke mich mit Bananen und Wasser ein und schließe wieder auf Papa auf. Er hat vor dem Start zwei kleine Kunststoffflascherl mit Red Bull befüllt und weil ich keinen anderen Platz dafür finde, um die Hände frei zu bekommen, stecke ich das Ding unterwegs in den Sport-BH. Von Vorne ist kaum etwas zu erkennen. Wer meine mächtige Oberweite kennt, kann sich jetzt vorstellen, dass es sich um ein wirklich sehr kleines Flascherl handelt. Eine kleine Sockenpause müssen wir auch einlegen, denn mein Papa spürt eine deutliche Blasenbildung. Aber es hilft nichts. Wir müssen weiter, aufgeben stand nie zur Debatte.

Einmal reichen ein paar Begleiter eines anderen Teams plötzlich Bananen zu uns herüber. Einfach so. Papa nimmt eine Banane entgegen und wir bemerken, dass diese komplett zerdrückt und weich ist, die Schale ist aber noch makellos. Der „Unfall“ der Banane muss also gerade eben passiert sein. Papa beißt ein kleines Stück ab und reicht die Frucht dann an mich weiter. Ihm taugt das nicht so sehr, aber mir schmeckt die Banane in ihrem „zergatschten“ Zustand sehr gut. Sie erinnert mich an selbst gemachtes Fruchtmus aus meiner Kindheit. Ich esse sie fast ganz alleine auf.

Mehrmals überrunden wir eine Dame mit einer Unterschenkelprothese. Sie walkt tapfer Runde um Runde, mich erfüllt jedes Mal tiefer Respekt für ihren Willen, solch einen Bewerb mit ihrem Handicap zu absolvieren. Über 23 Kilometer hat sie am Ende geschafft und bei der Siegerehrung werden wir uns alle aus Anerkennung für ihre Leistung von unseren Sitzplätzen erheben, was sie zu Tränen rührt.

Mein linkes Schienbein schmerzt und es wird immer schlimmer. Ich weiß nicht, ob das nun bedenklich ist oder etwas, das mich nur vorübergehend beeinträchtigt. In der vorletzten Runde schaffe ich, was ich bisher immer verhindern konnte: ich fädele mit dem rechten Stock in einem Kanalgitter ein und es schleudert mich richtiggehend zurück. Aber zum Glück habe ich den Stock weder verbogen noch das Flüsterstöpserl abgerissen. Papa schimpft ein bisschen, weil ich so unvorsichtig war.

Die letzte Runde bricht an. Als die Schluss-Sirene ertönt, übergebe ich meine Startnummer an Papa und laufe los in Richtung Labestelle. Es ist ein befreiendes Gefühl, endlich traben zu können. Der Versuch, so schnell wie möglich zu walken, dabei aber trotzdem nicht in einen Laufschritt zu verfallen, hat mich teilweise enorm angestrengt. An der Labestelle decke ich mich mit einigen Getränken ein, unterwegs habe ich noch ein paar Bestellungen aufgenommen, die ich nun gewissenhaft abarbeite. Leider gibt es kein Cola mehr und so kehre ich mit Eistee und Schartner Limo zurück. Bis ich bei Papa angekommen bin, habe ich nur noch unsere Getränke bei mir, unterwegs war ich aber ziemlich bepackt :-)

Die Restmetervermessung ist schon an Papa vorüber, der gemeinsam mit Christine Konrad in meine Richtung unterwegs ist. Wir spazieren gemütlich zurück, plötzlich kommen die Schmerzen mächtig in meinen Körper. Als mir ein Profiwalker seinen Stil erklärt, schaffe ich es nicht, ihn nachzuahmen. Zu sehr tut es weh. Wir bauen unsere Labestelle ab und räumen die Sachen ins Auto. Das übliche "nie wieder" Geschwöre, das jedem halbwegs anspruchsvollen Wettkampf unweigerlich folgt, lassen wir natürlich auch diesmal nicht aus und wissen beide, dass wir spätestens, wenn der ärgste Muskelkater weg und alle unnötigen Zehennägel abgegangen sind, wieder Pläne für den nächsten Start wälzen... :-)

Meine Füße schauen diesmal fürchterlich aus, mehrere Blutblasen steche ich gleich vor Ort auf und ein Zehennagel kündigte mir auch deutlich die Zusammenarbeit auf. Wie gesagt: Ausgemusterte Laufschuhe sind KEINE Nordic Walking Schuhe. Die Socken werfe ich eine Woche später weg, weil die Blutflecken auch nach dreimal Waschen nicht mehr heraus gehen. Tja, es waren ohnehin no-name Sportsocken...

Ach ja. Mit unseren 43,075 Metern reicht es bei mir immerhin für einen zweiten Platz bei den Damen und Papa erringt die ehrenhafte "Holzmedaille" (vierter Platz) bei den Herren +50 in der Nordic Walking Klasse.

22.4.12 22:47




mal wieder ein cooler laufblog link

Mit Zustimmung von Laufmaus Elke, einer Streakrunnerin aus dem schönen Deutschen Land, die zwar genau ein Monat später, aber dafür ein paar Jahre früher geboren ist..  I proudly present:

http://mein-streak.over-blog.de/

8.11.11 17:41


Der Graz Marathon 2011, katzie on the road again

So begeistert war ich vom Geländelauf, dass ich mir gleich ein Paar supertolle Adidas Geländelaufschuhe (Kanadia) gekauft habe. Und dann das: runningwilli.com verlost Startplätze für den Graz Marathon. Ich schaffe es zwar noch nicht einmal würdevoll über die Stiege hinunter und nehme natürlich an der Verlosung teil. Kommentar überflüssig.

Irgendwie dachte ich mir wohl: wenn ich den Startplatz wirklich gewinne, dann soll es wohl so sein. Und es war so. Genau an dem Tag, an dem ich meinen ersten kurzen, regenerativen Lauf machte und bemerkte, dass ich noch immer ganz schön viel Aua habe, landete eine kurze Notiz mit dem Inhalt in meiner mailbox: Gratuliere, Du hast einen Elite-Startplatz für den Grazer Marathon gewonnen! Na dann, hardcore-regenerieren ist angesagt!

Mit dem Code, den ich erhalte, melde ich mich gleich über pentek-timing an und am Samstag hole ich meine coole Elite-Startnummer: 76 und mein Vor- und Nachname stehen darauf. Na super, jetzt ist mein Name so klein geschrieben, dass niemand „Hoppauf, Birgit“ rufen wird, weil man schon akut weitsichtig sein müsste, um meinen ganzen Namen im Vorbeilaufen entziffern zu können.

Auch in der ersten Reihe starte ich nicht. Was täte ich dort, außer mich von den Schnellen kaputttreten zu lassen? Trotzdem: ich freue mich total auf den Lauf. Danke, willi! (gemeint ist Willi Prokop von runningwilli.com)

Am Sonntag, dem 09. Oktober 2011 um 08:00 Uhr steht Papa vor der Tür. Ich habe bereits gefrühstückt und überlege gerade, was ich anziehen soll. Eigentlich ist mir klar, dass ich dieselben Sachen wie beim Wörthersee Trail anziehen werde. Das Fahrradtrikot von unserem Club, die 2XU Hose und die weißen Cep Stutzen. Dazu diesmal die Brooks green Silence Schuhe, schließlich laufe ich ja auf der Straße. Aber schon auf dem Weg zur Bushaltestelle entscheiden Papa und ich, dass ich noch einmal zurück in die Wohnung laufe und die ASICS Gel Tri Noosa anziehe. Never change a winning shoe!

Viel zu früh sind wir am Jakominiplatz und ich schau kurz in der Firma vorbei, um noch aufs Klo zu gehen und meine Trinkflasche für nach dem Rennen frisch aufzufüllen. Dann begeben Papa und ich uns in den Startbereich. Dauernd trifft mein Papa Leute, die ihn kennen und so bleiben wir immer wieder stehen und ein paar Worte werden gewechselt.

Am Vortag habe ich noch einen kleinen Lauf gemacht. 1,5km Einlaufen, 2km im geplanten Wettkampftempo und 1,5km Auslaufen. Es war okay, super fühlt sich definitiv anders an.

Das übliche Startgeplänkel, Papa macht eine ganze Reihe von Fotos von mir im vorderen Startblock, wo noch kaum Läufer sind. Ich stelle mich am Dixi Klo an und husche dann wieder in den Startblock, der sich langsam füllt. Ich bin ziemlich nervös, denn ich fühle mich weder fit noch müde, irgendwie fühle ich mich so merkwürdig leer. Eine gespannte Erwartungsfreude, wie bei jedem Lauf ist natürlich vorhanden. Aber ich muss dauernd gähnen, obwohl ich ausreichend geschlafen habe. Die letzten zwei Wochen habe ich extrem viel geschlafen und trotzdem gähne ich dauernd. Egal. Ich bin jetzt hier, es ist Sonntag und jetzt wird erst mal ein bisschen Marathon gelaufen und dann kann ich mir wieder Gedanken über meinen Zustand machen.

Endlich die üblichen letzten Worte vor dem Start, die Eliteläufer werden genannt, dann der Countdown heruntergezählt. Startschuss gibt es keinen. Drei, zwei, eins.. öhm???? Go! Wir laufen los.

An der Kreuzung Burgring/Elisabethstraße singt wieder Elvis. Ich bilde mir ein, der hatte voriges Jahr noch nicht so schütteres Haar am Hinterkopf. Naja, niemand wird jünger. Ich starte schließlich heuer auch schon in der W35.

Das Univiertel liegt noch in tiefem Schlaf, außer den Streckenposten und den Polizisten sind nur die Läufer unterwegs. Erste Spuren von Leben gibt’s erst in der Schubertstraße. Ein paar Frühaufsteher stehen da und lächeln uns entgegen. Kein Anfeuerungsgeschrei, man möchte ja niemanden aufwecken. Die Bands spielen aber trotzdem schon und auch heuer sind einige wirklich gute Gruppen dabei.

Ich habe mir vorgenommen, an den Labestellen diesmal immer Iso zu trinken und daran halte ich mich auch. Es gibt Powerade und ich werde in den Genuss aller verfügbaren Geschmacksrichtungen kommen. An der ersten Labestelle ist es das wenig aufregende orangefarbene Powerade, das mir mit den Worten „Iso, Iso“ angepriesen wird. Es ist stark verdünnt, sodass ich mir um meinen Magen keine Sorgen zu machen brauche. An der Kreuzung Parkstraße/Wickenburggasse sehe ich ein bekanntes Gesicht, bin mir aber nicht ganz sicher und nehme mir vor, in der nächsten Runde genau hinzuschauen. Zum Glück laufen wir in Graz ja zwei idente Runden.

Am Lendkai gibt es nicht nur Beschallung durch einen Radiosender sondern auch einen Stand mit Powerade Flaschen in blau. Ich schnappe mir auch hier ein Getränk und nuckle daran. Irgendwie widerstrebt es mir, die ½ Liter Flasche nach nur wenigen Schlucken weg zu werfen. Ich trage sie eine Weile mit mir herum, trinke immer wieder davon, aber schließlich stört mich die etwas unhandliche Flasche doch zu sehr und ich werfe sie bedauernd zur Seite. Noch immer halbvoll. Was für eine Verschwendung. Aber vermutlich wäre die Produktion von 0,3 Liter oder 0,2 Liter Flaschen, die für eine Marathon Labestelle sicher praktischer wäre, nicht sehr ökonomisch. Sicher käme dann die Verpackung ungleich teurer als der Inhalt.

Auf Höhe Edegger Steg steht Papa mit dem Fotoapparat. Ich laufe ganz links und obwohl er auf der rechten Straßenseite steht, hat er mich früh genug gesehen. Für ein Foto bin ich aber im Läufergewusel zu gut versteckt. In der ersten Runde laufen noch die ganzen Halbmarathonis mit und auch der city run findet auf derselben Strecke statt. Bald tauchen auch die Tafeln auf, die den city run von der Marathonstrecke trennen. Am Grieskai erwarte ich die grottenschlechte Band vom vorigen Jahr, aber diesmal gibt’s Musik aus der Konserve. Und nicht mal schlechte. Die nächste Transpondermatte liegt in der Unterführung zum Kreisverkehr Lagergasse. Ich schaue auf meine Uhr und denke, dass ich vermutlich gar nicht übel in der Zeit liege. Die Stoppfunktion habe ich schon wieder deaktivieren müssen, nachdem sie sich durch etliche höherwertige Pulsuhren beeinträchtigt aufgehängt hat. Ich laufe nach Uhrzeit. Es ist 10:51 Uhr. Wir sind laut meiner Uhr kurz nach 10:01 Uhr gestartet, also bin ich irgendwo um die 50 Minuten unterwegs. Sehr gut. Tempo halten.

In der Puchstraße steht wieder ein Eishockeyclub und feuert die Läufer an. Ich freue mich. Dann geht es an die Peripherie, durch das Gewerbegebiet, das landschaftlich nicht gerade eine Offenbarung ist. Auch architektonische Juwelen erwartet man hier vergeblich.

In der Puntigamer Straße spüre ich das erste Mal, dass etwas nicht stimmt. Mein rechter Oberschenkel zuckt. Es fühlt sich an, als würde ich schwache Stromstöße bekommen. Ich verkürze meine Schrittlänge und alles ist wieder gut. Das Tempo leidet darunter. Aber wenigstens leide nicht ich.

An der Labestelle in der Kasernstraße stehen gleich zwei Kollegen und die Kollegin feuert mich an: „Gib Gas, Birgit!“ Ein Mitläufer meint überrascht: „Das sagt normalerweise kein Polizist zu einem.“ Diesen Spruch werde ich heute noch ein paar Mal hören. Immer, wenn ein Kollege mich erkennt und „gib Gas, Birgit“ ruft.

Als wir durch den Augarten laufen, verfluche ich meinen Optimismus. Warum habe ich mich nicht für den Halbmarathon gemeldet, dann hätte ich es gleich hinter mir. Aber ein Marathon ist ein Marathon. Ich kenne mich und weiß, dass nur der „Ganze“ diese Befriedigung verschafft. Es geht in meine homelands. Marburger Kai, hallo Herr Kollege, Kaiser-Franz-Josef-Kai, hallo Papa, Wickenburggasse/Sackstraße, hallo Herr Kollege,  Herrengasse auch hier stehen Bekannte, Opernring. Es ist wirklich ein Heimrennen, ich erkenne immer wieder Leute am Streckenrand, Sportkollegen und Arbeitskollegen. Kurz vor dem Zielbogen geht es links an den Tafeln vorbei, die Halbmarathon Läufer dürfen schon rechts ins Ziel laufen. Noch 21,1 Kilometer. Öfz. Zweite Runde.

Opernring, hallo Herr Kollege. Er grinst mich an: „Jetzt kommst Du erst daher?“ Wieder vorbei an Elvis. Schon wieder dasselbe Lied. Meine Cousine, die gleich in der Nähe wohnt, hat mir voriges Jahr berichtet, dass Elvis zwar nicht schlecht singt, aber sein Repertoire nicht besonders groß ist. Daran muss ich jetzt denken. In der Schubertstraße gibt’s zusätzlich zur dort stehenden Band private Beschallung, die Familie vom vorigen Jahr steht wieder gegenüber der Universität und der Junior trägt heuer ein Ritterkostüm. Putzig. Aber der junge Mann denkt sich bestimmt auch seinen Teil, immerhin sind etliche Läufer verkleidet unterwegs. Biene Maja hab ich gleich nach dem Start gleich in doppelter Ausführung irgendwo herumlaufen gesehen, die hatten soweit ich mich erinnern kann Halbmarathon Startnummern.

Als ich von der Wickenburggasse in die Körösistraße einbiege, tut es schon richtig weh. Verdammt. Ich habe das Gefühl, schneller laufen zu können. Kraft ist noch da. Aber immer, wenn ich versuche, längere Schritte zu machen fährt mir ein elektrischer Schlag an der linken Oberschenkelrückseite hoch. Ich mache wieder kürzere Schritte. Leider kann ich aber die „Schlagzahl“ nicht erhöhen. Beschleunigung funktioniert bei mir nur über eine Vergrößerung der Schrittlänge. Und das scheidet jetzt aus. So muss es sich anfühlen, wenn das Getriebe beim Auto kaputt ist und man nur noch bis zum dritten Gang schalten kann. Ach, ich kenne das Gefühl ja, hatte das einmal beim meinem Motorrad. Es war quälend. Und das hier ist es auch.

Der Powerade Stand am Lendkai ist inzwischen abgebaut, dafür steht eine junge Dame an der Strecke und verteilt Red Bull ride shots. Feine Sache, ich greife begeistert zu. Fliegen wär jetzt super! Den ride shot stecke ich derweil in die hintere Tasche meines Radtrikots und plane, wann ich ihn konsumieren werde. Bei Kilometer 35, beschließe ich. Aber es wird dann doch etwas früher. Schon in der Puchstraße kämpfe ich mit der Versiegelung an der Verschlusskappe. An der Labestelle gibt es grünes Powerade. Oder habe ich schon Wahnvorstellungen? Vielleicht ist das blaues und oranges Powerade zusammengemischt? Was weiß denn ich… zwei Stück Traubenzucker habe ich noch in der Rückentasche. Schmerzmittel wären mir lieber.

Im Augarten schiebe ich mir das letzte Stück Traubenzucker in den Mund und trabe dahin. Autsch, autsch, autsch. Ich versuche, mich gedanklich abzulenken. Ein Blick auf die Uhr bestätigt mir auf Höhe Kaiser-Franz-Josef-Kai, was ich schon längst wusste: um diese Zeit war ich voriges Jahr schon im Ziel. Noch fast zwei Kilometer. Ich versuche, das Tempo noch einmal anzuziehen, aber nix. Ich versuche, schnellere Schritte zu machen, aber das schaffe ich einfach nicht. Vielleicht sollte ich diesbezüglich mein Training intensivieren (Bitte, Papa, das hast Du jetzt NICHT gelesen!) Durch die Sackstraße laufend beginnen die körpereigenen Endorphine zu wirken. Bald bin ich im Ziel. Am Hauptplatz beendet die Band gerade ihr Lied, als ich vorbeilaufe. Ich höre Anfeuerungsrufe und beginne zu strahlen. Smile katzie. Durch die Herrengasse wird mein Grinsen immer breiter und  nur die Ohren verhindern, dass ich rundherum grinse. Links um die Kurve sehe ich den Zielbogen und davor den anderen Bogen, dessen Sinn mir bis heute nicht klar ist. Ich denke an runningwilli, der in seinem Podcast erzählt hat, wie er auf den falschen Bogen zugesprintet ist. Der Opernring ist durch die Schlägerung der alten Bäume ein richtiger Prachtboulevard geworden, geht mir durch den Kopf. Ich schaue nach vorne, laufe weiter. Über die Transpondermatte reiße ich die Arme hoch. Es fühlt sich kein Stück triumphal an, die Zeit ist 03:49,38. Elf Minuten langsamer als voriges Jahr. Aber ich bin froh, es geschafft zu haben, die Zeit ist nicht einmal so schlecht wie sie angesichts der Vorgeschichte sein hätte können.

Neben mir im Zielkanal fällt ein Mann vor dem Freiwilligen auf die Knie, um sich die Medaille umhängen zu lassen. Das lasse ich lieber bleiben, womöglich komme ich danach nie wieder hoch! Ich spaziere zum Gitter, lasse mir von Papa etwas Warmes zum Überziehen reichen und stelle mich dann um einen Teller „Marathonsuppe“ an.

Als wir gemütlich am Rand der Veranstaltung stehen und ich die heiße Suppe löffle, spüre ich das angenehme Kribbeln der Mattigkeit in den Beinen und denke zufrieden: „War doch gut, gelaufen zu sein.“

25.10.11 07:34


Wörthersee Ultra Trail 2011 - Katzie goes offroad

Wie macht man aus einer Hauskatze eine Wildkatze? Man lässt sie an einem Geländelauf teilnehmen. In einem Anfall von "das muss man einfach mal probiert haben" meldete ich mich also für den Wörtherseetrail an. 57 Kilometer im Gelände, 1800 Höhenmeter und Wurzeln, Steine, Matsch und Forstwege. Die Vorbereitung machte ich auf der Straße. Immerhin bin ich zumindest auf Bergstraßen gelaufen, habe also die Selbstsabotage diesmal nicht ganz so konsequent betrieben wie sonst. Aus meinen geplanten drei Wochen Urlaub im September wurden schließlich vier Tage. Auch gut. Am zweiten Tag bin ich von St. Anna weg auf den Zirbitzkogel hinaufgelaufen. 1.100 Höhenmeter über Geröll und Wurzeln. Beim Hinunterlaufen hats mich dann gewaltig zerlegt, aber dank meiner katzenhaften Eleganz habe ich mich geschickt abgerollt und so war ich zwar mächtig dreckig, hab mir aber nicht mal meine Laufsachen zerrissen. Trotzdem muss mein Landeanflug auf die Geröllhalde gewisse Schwächen gezeigt haben, denn am nächsten Morgen war meine linke Hüfte und fast meine ganze rechte Körperseite von blauschwarzen Flecken übersät. Und sehr schmerzaktiv.

Noch ganze drei Tage bis zum Tag X. Genug Zeit, um wieder völlig zu heilen dachte ich. Und so hievte ich am Freitag meinen schmerzenden Körper in mein Auto und fuhr an den Wörthersee, um meine Startnummer zu holen. Zuvor führte ich noch ein langes Telefonat mit einem Bekannten, der sich die Strecke schon angeschaut hatte. Der machte mir nicht grade Mut, indem er sagte, dass es wohl eine verdammte Quälerei wäre, bei meinem momentanen Trainingszustand und jetzt auch noch verletzt, die gesamte Strecke zu laufen. Ich würde also versuchen, meine Anmeldung auf eine der Unterdistanzen (30 oder 15 Kilometer) umzuändern.

Als ich dann am "helpdesk" war und eine nette Dame mir erklärte, was beim Trail auf mich zu kommen würde, beschloss ich tatsächlich, auf den 30-Kilometer Allin Trail zu wechseln. Da stand ich also und sah, dass meine Startnummer schon ausgedruckt und mit meinem Namen versehen war.. und in dem Moment fiel die Entscheidung: Nein, ich werde den Langen laufen. Egal wie, es wird gehen müssen. Fertig. Und ich schnappte mir die Startnummer, den Chip und das Startersackerl und begab mich zurück zum Campingplatz, wo ich mein Auto abgestellt hatte. Weil ich noch etwas Zeit bis zur Wettkampfbesprechung hatte, ging ich noch einmal in mich, um das eben erlebte zu analysieren. Das Ergebnis: folge Deinem Herzen. Alles andere taugt nix. An einem Stand für Kompressionswäsche erstand ich Bandagen für meine Oberschenkel und zog die gleich an. Danach war es mir zumindest fast schmerzfrei möglich, Gehsteigkanten zu überwinden. Der Sturz am Zirbitz hing mir noch ganz schön nach und ich beschloss, meinen Zustand am nächsten Morgen als allerletzte Entscheidungshilfe über Start oder Nichtstart zu verwenden.

Am Abend ging ich relativ früh schlafen, nachdem ich noch ein wenig mit dem Laptop im Internet herumgesurft war und alles, was ich zum Thema Wörtherseetrail gefunden hatte, gelesen hatte.

Um 06:00 Uhr am 24. September 2011 läutet mein Wecker und ich klettere ächzend aus dem Bett. Schmerz ist das erste, was mich durchzuckt. Mein geprellter (oder gequetschter, wer weiß das schon) Oberschenkelmuskel links und mein verletzter Unterschenkelmuskel rechts verhindern nachhaltig ein würdevolles Verlassen meines Autos, als ich mich in Richtung WC aufmache. Jedes Bröckchen Vernunft in mir sagt: "So kannst Du nicht an den Start gehen." Aber da ist noch das Wissen von anderen Veranstaltungen, dass ich vor dem Start IMMER Phantomschmerzen habe.. diesmal sind sie halt wirklich real... und dass es irgendwann sowieso IMMER weh tun wird auf so einer Distanz, das ist mir auch klar. Also, warum nicht starten?

Ich nehme reichlich Kohlenhydrate zu mir (Peerotonriegel und Getränk) und dazu einen Magenwohl-Tee und dann ziehe ich mich in aller Ruhe an. Um 07:20 Uhr bin ich fertig und bereit, an den Start zu gehen. Obwohl ich noch ein wenig herumtrödle, stehe ich schließlich um 07:40 Uhr in der Trail City herum und beobachte die anderen Läufer, die irgendwie alle zu wissen scheinen, was sie hier tun. Ich habe mir einen Spruch aus der facebook Gruppe des Wörthersee Trails auf den Unterarm gekritzelt "Du weißt, warum Du hier bist, also kämpfe" und mir vorgenommen, diesen zu beherzigen.

Das Wetter ist kühl, aber nicht kalt und der Himmel bedeckt. So kann es bleiben, das wäre das perfekte Läuferwetter! Kurz vor 08:00 Uhr spricht mich Ulli Striednig an und ich bin total happy, wenigstens EINEN Bekannten zu treffen. Ulli strahlt so viel Zuversicht und Begeisterung aus, dass ich plötzlich gar nicht mehr verstehe, wie ich Zweifel daran haben konnte, was ich hier mache.

Um kurz nach 08:00 Uhr wird dann über Lautsprecher der Countdown von einer magisch klingenden Stimme heruntergezählt und alles erscheint mit einem Schlag ein wenig unwirklich und besonders und endlich dürfen wir loslaufen. Jeder Schritt schmerzt. Ich versuche, meine Gedanken abzulenken, indem ich mich auf die Läufer rund um mich herum, die Stimmung, den Lauf konzentriere. Es gelingt nur ansatzweise.

Die Strecke führt erst über ein schmales Asphaltband durch einen Park und als wir nach ein paar hundert Metern über die Wiese abkürzen, habe ich das Gefühl, dies geschieht nur, weil es keiner mehr erwarten kann, endlich Natur unter den Sohlen zu haben.

Nach der Unterführung geht es noch einmal um die Ecke, wo der Streckenchef steht, der mit allen Läufern abklatscht und uns einen guten Lauf wünscht. Plötzlich schiebt sich das Läuferfeld, das sich gerade zu entzerren begonnen hat, wieder zusammen. Wir gehen. Die erste Steigung liegt vor uns und da die Läufer vor uns bergauf gehen, müssen auch wir unseren Lauf unterbrechen und warten geduldig, bis wir über die steinernen Stufen bergauf wandern können. Ich wundere mich. Soll das nun so weitergehen? Ist Trailrunning denn in Wahrheit eine Art forciertes Wandern im Gelände - zumindest in der Geschwindigkeitsgruppe, in der ich mich bewege?

Dann geht es wieder flott weiter, über Stock und Stein und sehr wurzeligen Untergrund, eine kurze Asphaltpassage und das erste Bergabstück liegt vor mir. Es erinnert vom Aussehen her an einen guten Mountainbike Downhill trail. Von der Sorte, die einen Federweg von mindestens 15 Zentimetern erfordern. Vollgefedert, versteht sich! Dank der Gewohnheit, weit voraus zu schauen (danke, Grunzi für die Blicktechnik-Trainings beim Motorradfahren und danke Rainer für die "never stop" Hinweise im Downhilltraining!) habe ich bald ein respektables Tempo beim Bergablaufen gefunden. So lässt sich der nächste steile Anstieg, den ich wieder im Wandermodus bewältige, leicht verkraften.

Schon bald habe ich ein System gefunden, mit dem ich mich anfreunden kann. Bis zu einer gewissen Hangneigung kann ich laufen, ab dann wird marschiert. Bergab gehts dann mit vorsichtigem Tempo. Ich habe ziemlichen Bammel davor, mir den Haxen zu brechen, irgend eine Sehne abzureissen oder einen Muskel zu zerren und daher lasse ich es auch bergab nicht so richtig krachen. Aber ich fühle mich nicht schlecht durch die Sicherheit, die ich im Gelände vom Downhillfahren habe. Auch wenn mir klar ist, dass mein wildes Herumrudern mit beiden Armen vermutlich eher blöd ausschaut. Aber ich fühle mich so sicherer und hier im Wald sieht es eh kein Unbeteiligter.

Nach kürzester Zeit - so kommt es mir zumindest vor - taucht die erste Labestelle auf. Ich schaue überrascht auf, denn die Zeit vergeht für mich wie im Flug. So aufregend und spannend ist das alles, so unterschiedlich ist der Untergrund und so wunderschön sind die Szenen im herbstlichen Wald, dass ich noch gar nie auf die Uhr geschaut habe. Aber das hätte ich mich auch nicht getraut, aus Angst, eine Wurzel zu übersehen.

An der ersten Labestelle gibt es heiße Suppe und alle Arten von Getränken, Bananen und Dinkelgebäck, sowie - angeblich hausgebackene - Müsliriegel, die in kleine Quadrate geschnitten sind. Ich schnappe mir einen Becher Wasser und zwei Stück Dinkelgebäck und marschiere ein Stück, während ich nachtanke. Meine eigene Trinkflasche habe ich derweil in die Rückentasche des Fahrradtrikots gesteckt in der sich auch schon meine Sonnenbrille befindet. Notiere die Erkenntnis Nr. 1: Beim Trailrunning im Wald braucht man definitiv keine Sonnenbrille!

Dann laufe ich wieder los und komme überraschend schnell wieder in meinen Schritt. An einer steilen Bergabpassage steht ein Fotograf. Ich versuche, in die Kamera zu schauen, bleibe aber zeitgleich irgendwo am Boden mit dem Fuß hängen und schaffe es gerade noch, nicht publikumswirksam mit meiner Nase eine Furche in den Waldboden zu ziehen. Der Fotograf ist erschrocken zur Seite gesprungen, also gibt es keine Beweisfotos meiner uneleganten Weise, das Gefälle zu bewältigen. Sehr gut.

Während ich vor mich hin laufe, höre ich anderen Läufern zu, die sich unterhalten. Da geht es um andere Veranstaltungen, Bergläufe, Ultraläufe und Krankheiten. Immer wieder tauche ich in einen Schwall von Erzählungen über alle möglichen Zipperlein. Merkwürdig. Aber vielleicht versuchen die alle grade, eine Ausrede für mögliches Nichterreichen der persönlichen Bestzeit zu formulieren? Noch ist alles offen, noch kann viel passieren. Irgend jemand spricht mich auf mein hohes Tempo beim Bergablaufen an und ich sage ihm, dass dies mein erster Geländelauf ist und ich grade versuche, ein für mich taugliches System zu finden. Er antwortet nicht. Ich kann mich aber nicht umdrehen, um zu sehen, ob er überhaupt noch hinter mir ist, denn gerade kommt wieder eine extrem wurzelige Passage und benötigt meine volle Konzentration.

Nach der nächsten Labestelle hängt sich ein Läufer an mich an, der sich als "Indy, der Gletscherindianer" vorstellt. Sein Laufpartner musste aufgeben, weil er gesundheitlich angeschlagen ist und Indy hat beschlossen, dass mein Tempo genau für ihn passt. Ich finde es nett, seinem Kärntner Dialekt zu lauschen. Er erzählt vom Ironman und vom Schifahren und einige seiner bevorzugten Schigebiete kenne ich noch vom Motorradfahren im Sommer. Doch das Tempo von Indy ist dann doch etwas niedriger als meines, vor allem bergab und so verliere ich meinen Begleiter bald wieder.

Der Weg wird zum Bach, denn das Wasser hat sich den Hohlweg als Rinnsal ausgesucht. Es ist matschig und jeder versucht, irgendwie seitlich an dem Trail dranzubleiben. Die blau-weiß-blauen Markierungen und die folierten Zeichen des WTC weisen uns den Weg.

Bei der Besprechung wurde auf eine gefährliche Stelle vor der Römerschlucht hingewiesen. Die sollte nach etwa 20 Kilometern kommen. Da ich keine Ahnung habe, dass ich bereits so weit gekommen bin, trifft mich die Schlüsselstelle unvorbereitet. Auf den schräg abwärts verlaufenden Wurzeln finden meine Straßenlaufschuhe natürlich keinen Halt und auch die vom Wasser glatt gewaschenen Steinplatten sind nicht wirklich hilfreich. Ich verlasse die Strecke im Vorwärtsüberschlag und wälze mich unfreiwillig im Dreck weit unterhalb der gedachten Ideallinie. Nachdem ich kurz abgecheckt habe, ob alles noch dran ist (und auch von ein paar besorgten Mitläufern gefragt wurde, ob alles okay sei) muß ich im unehrenhaften 4-WD-Stil (also auf allen Vieren) wieder zum Weg hinaufkrabbeln. Meine schönen weißen CEP Stutzen schauen jetzt aus als wären sie im Camouflage Design geliefert worden. Erkenntnis Nr. 2: Beim Trailrunning sind weiße Strümpfe nonsens.

 

Die Römerschlucht ist wunderschön. Schroffe Felsen mit Moos bewachsen, ein schmales Rinnsal, das sich über Stock und Stein schlängelt und dazu das unwirkliche Herbstlicht. Ich bin ganz bezaubert und überwältigt von den vielen Eindrücken. Am liebsten würde ich jetzt ganz langsam gehen und all diese Bilder auf mich wirken lassen, aber der Trail ist hier so schmal, dass ich andere Läufer aufhalten würde. Schweren Herzens trabe ich durch diese Märchenkulisse, ganz erfüllt von dem Wunsch, bald wieder hier her zu kommen. Schon längst ist die Frage, ob denn das Trailrunning etwas für mich ist der Erkenntnis gewichen, dass es eine der schönsten Arten ist, sich laufend fortzubewegen. Wenn nicht überhaupt die Schönste.

An einem Checkpoint bekommen wir Haargummis über die Handgelenke gestreift. Damit soll verhindert werden, dass Läufer abkürzen. Ich bin beeindruckt. Hier im Gelände abkürzen? Ich würde mich heillos verirren, wenn ich nur drei Schritte von dem gut markierten Trail weggehe!

Immer wieder laufe ich ganz allein und muß nach den Markierungen Ausschau halten. Sie sind sehr gut sichtbar, aber ab und zu doch weit genug auseinander, dass mir kurz Zweifel kommen, ob ich noch richtig bin. Umso größer ist dann die Erleichterung, dass ich scheinbar ein gutes Gespür für den richtigen Weg habe. Und der ist auch wirklich gut markiert. Sogar Markierungen, die scheinbar noch vom vorigen Jahr stammen, finde ich.

Viel zu schnell kommt die Tafel mit der 30 Kilometer Anzeige. Ich kann es kaum glauben, dass schon mehr als die Hälfte der Strecke hinter mir liegt. Natürlich, von der Zeit her.. ich habe schon längst gemerkt, dass die Zeitangaben von der Straße hier völlig nutzlos sind. Aber trotzdem, ab und zu werfe ich einen Blick auf meine Uhr, aber eigentlich ist das eine automatisierte Bewegung, denn die Zahlen am Display sagen mir nichts.

An allen Labestellen sind die Helfer total nett und bemüht. In Velden fragt mich ein junges Mädchen gleich, ob sie meine Trinkflasche anfüllen soll, noch bevor ich selbst auf die Idee gekommen bin. Ich reiche ihr dankbar meine kleine Trinkflasche, während ich ein Stück Apfel und ein Stück Dinkelgebäck für unterwegs nehme.

Irgendwann plötzlich heißt es "Bergwertung Pyramidenkogel". Ich bin irritiert, denn der erste Teil ist flach. Aber dann steigt es ordentlich. Und steigt. Und steigt. Einen Forstweg hinauf marschieren wir, als uns die ersten Läufer entgegenkommen, die schon oben waren. Ein junges Mädchen ruft mir zu: "Es ist hart, aber oben ist dafür eine super Stimmung. Voll Party!". Das letzte Stück ist Asphalt und endlich ist der Pyramidenkogel bezwungen. Ich genehmige mir zwei Becher heiße Suppe und ein Stück Dinkelbrot dazu, fülle meine Trinkflasche an und werde von einer der Helferinnen an der Labestelle angesprochen, wie es mir gefällt. Es ist die junge Frau von der Anmeldung, die gestern mein Hin und Herüberlegen bezüglich der Ummeldung auf eine der kürzeren Strecken begleitet hat. Ich strahle sie an, erkläre ihr, wie froh ich bin, dass ich mich nicht umgemeldet habe. So wunderschön ist die Strecke. Keinen Kilometer hätte ich versäumen wollen. Sie lacht. Als sie mich fragt, ob ich gestürzt sei, bemerke ich, dass ich noch immer völlig verdreckt von meiner Aktion an der Schlüsselstelle bin. Ich versuche vergeblich, den Schmutz herunterzuklopfen, resigniere dann und mache mich achselzuckend wieder an den Abstieg. Hinter mir ruft gerade noch rechtzeitig ein anderer Läufer, dass ich wieder links in den Wald muß. Beinahe wäre ich am Asphalt weitergelaufen. Ich bin froh, wieder weichen Waldboden unter meinen Sohlen zu haben und nur wenige Kurven später steht eine Tafel "noch 15 Kilometer". Das bedeutet ja, dass ich bereits einen Marathon hinter mir habe, denke ich mir. Und bin verblüfft. Nicht von meiner Zeit (die ist für Straßenverhältnisse ein Fall für den Besenwagen) aber davon, dass ich kaum gemerkt habe, wie weit ich schon gekommen bin.

Da ich weiß, dass die letzten Kilometer auf reinem Asphalt verlaufen, genieße ich jetzt jede Wurzel und jeden Stein doppelt. Ich spüre den federnden Waldboden unter meinen Sohlen und - halt - einen Stein im Schuh. Kurz bleibe ich stehen, schnüre meine ASICS auf und schüttle sie aus. Nicht nur ein Stein, sondern eine kleine Schutthalde fällt aus dem linken Schuh. Merkwürdig, das hab ich kaum gemerkt. Auf der Straße hätte mich ein einziges dieser Körnchen im Schuh schon wahnsinnig gemacht. Erkenntnis Nr. 3: Im Gelände sind Steinchen wirklich nur Steinchen. Und machen sich nicht gleich massiv im Schuh bemerkbar.

Die vorletzte Labestelle befindet sich wieder mitten im Wald. Es gibt kurz vorher wieder einen Haargummi übers Handgelenk. Aha, Checkpoint. Und neben Wasser und Iso auch Red Bull Cola. Irgendwie passt das genau zu dem Lauf in Mutter Natur. Das Cola ohne Farb- und Konservierungsstoffe mit seinen vielen Gewürzen, das mit dem gummibärchenartigen Energydrink genau NIX gemeinsam hat. Ich trinke einen Becher des zimtlastigen Colagetränks und mache mich auf die allerletzten Kilometer im Gelände. Als ich auf die Straße hinaus muss, bin ich richtig enttäuscht.

Die letzte Labestelle. Ich treffe zwei deutsche Läufer, die sich köstlich mit den Helferinnen unterhalten. An der nächsten Steigung mache ich für einen jungen Mann Platz, der es eiliger zu haben scheint als ich. Er spricht mich an, ob ich mit ihm mit laufe, er will unter 7 Stunden ins Ziel kommen. Ich kann mein Tempo nicht mehr allzu stark erhöhen und sage ihm ab, wünsche ihm aber alles Gute und rufe ihm ein inniges "Du schaffst es!" hinterher. Nach drei Kilometern kämpft er vor mir mit seinen letzten Reserven. Ich laufe neben ihm, will ihn motivieren, wie er mich vorher motivieren wollte. Aber ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn der Tank leer ist und lasse ihn in Ruhe, wir werden es so oder so beide unter 7 Stunden ins Ziel schaffen. Aber langsamer kann ich jetzt auch nicht mehr. Die Ungeduld treibt mich nach vorn.

Neben dem Lendkanal geht es entlang. Ich sehe vor meinem inneren Auge, wie die Triathleten da immer durchschwimmen, das Wasser zu kochen scheint von den vielen wirbelnden Armen und Beinen. Jetzt liegt der Kanal ruhig und still in der seit wenigen Minuten erst aus den Wolken getretenen Sonne. Ein junges Pärchen sitzt am Ufer, blind für die vorbeikeuchenden Läufer und versucht, sich mit einem Photohandy selbst zu knipsen, sein Glück auf digicard festzuhalten.

Die letze Kurve vor dem Ziel. Ich höre den Sprecher, die Musik, einige Leute klatschen, jemand spricht mich an, ruft "lach für mich, Polizistin" und ich schaue in die Richtung. Ein Bekannter? Woher? Ich kann das Gesicht nicht erkennen, weil es hinter dem Fotoapparat verborgen ist. Später werde ich über facebook erfahren, dass es Friedrich Jeklin war, den ich vom 100-Kilometer Kraftlauf her kenne.

Der Zielbogen liegt vor mir, ein Pärchen in Trachtenkleidung quert seelenruhig vor mir die Strecke. Ich wundere mich, dass ich so langsam zu sein scheine, versuche noch ein letztes Mal zu beschleunigen und drehe mich nach dem Zielbogen zur Zeitnehmung um. 06:56:22 Stunden steht da. Ich taumle kurz, weil mir genau in dem Moment von einem der Mädchen die Finishermedaille umgehängt wird, als der junge Mann das Ziel erreicht, der mich zum Mitlaufen aufgefordert hat und ich mich auch nach seiner Zeit umsehe. Locker unter 7 Stunden. Ich klopfe ihm auf die Schulter. Er nickt mir zu, sprechen kann er noch nicht.

Ich gehe in Richtung Campingplatz davon, um endlich den Schmutz von meinen Armen und Beinen waschen zu können.

Am Campingplatz erinnert mich eine andere Läuferin daran, den Chip abzugeben. Stimmt, daran habe ich gar nicht gedacht!

Als ich meine Sachen aus dem Auto hole und zu den Waschräumen gehe, merke ich, dass die Schmerzen wesentlich weniger geworden sind. Auch was Neues. Mit brutalen Schmerzen starten und mit nur noch leichten Schmerzen ins Ziel kommen.

Mal sehen, wie sehr ich morgen leide.

Meine tatsächliche Zielzeit war 06:56,20 Stunden, damit wurde ich Siebente in meiner Altersklasse. Tagesbestzeit bei den Damen lief Ulli Striednig. Und auch die Pyramidenkogel Wertung hat sie klar für sich entschieden. Respect!

Trailrunning macht Spaß. Ich werde in Zukunft öfter offroad starten. Erkenntnis Nr. 4: Ich muß mir jetzt richtige Trail Running Schuhe kaufen. Mit den ASICS Triathlon Schuhen, das geht gar nicht.

8.10.11 19:21


Zusammenfassung

Auch das Activate Sensitiv führt zu dem "flush-effekt". Und so nehme ich das Pulver nur sehr selten in der Früh. Weil ich eine sehr helle Haut habe, fällt es natürlich extrem auf, wenn ich plötzlich rote Flecken habe und diese sind nach der Einnahme des Activizers so arg, dass sie über den ganzen Oberkörper verteilt fast an einen Nesselausschlag erinnern. Die Frage stellt sich mir dann, was mir wichtiger ist. Die unbestreitbar beeindruckende Wirkung des Pulvers oder die irritierten Blicke meiner Umwelt.

Das Restorate Pulver nehme ich dafür weiter immer vor dem Schlafengehen, weil es mir hilft, aus dem minimalen Zeitbudget, das mir zum Schlafen und Erholen bleibt das Maximum herauszuholen.

23.8.11 09:14


Tag 15, Samstag, der 06. August 2011

Okay, ich hab gestern Abend schon wieder mit dem Restorate begonnen und heute Morgen wieder den Effekt bemerkt, dass ich nach etwas weniger Schlaf als gewohnt fit und munter bin.

Nach dem Aufstehen hab ich dann wieder den Turbo mit Hilfe des Activize gezündet und bin dann 15 Kilometer laufen gegangen. Das Knie hats ohne Probleme hingenommen.

Am Abend bin ich dann zum Nachtdienst gegangen, also wird das Restorate erst am Morgen zum Einsatz kommen, wenn ich mich schlafen lege...

6.8.11 23:10


kleine Unterbrechung...

Am 31.07.2011 hatte ich einen dezenten Dienstunfall, bei dem ich mir das Knie ordentlich beleidigt habe. Im danach leider nötigen Krankenstand habe ich auch mit dem fitline Konsum ausgesetzt, denn weder konnte ich Sport machen, noch erfordert das Zuhause-trüb-Herumsitzen besondere geistige Fitness...

Am Donnerstag, dem 4. August habe ich dann meine Hausärztin bekniet, mich wieder gesund zu schreiben, sonst hätte ich vermutlich einen akuten Lagerkoller erlitten!

Und seit Freitag bin ich wieder in Amt und Würden, vorerst mit einer Knie-Orthese ausgestattet, weshalb ich auch noch nicht gleich wieder losgelaufen bin und somit gehts mit dem Fitline Test erst am Samstag, dem 06. August weiter...

6.8.11 23:06


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